Gesundheit : Immer öfter helfen Sponsoren den Hochschulen durch die Finanzlöcher, doch Skeptiker warnen vor Abhängigkeiten

Josefine Janert

Klein und scheinbar unwichtig steht die Zeile auf dem unteren Rand der Einladung: "Der Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation wird gesponsert durch Dorland." Die Berliner Werbeagentur, zu deren Kunden Honda, e-plus und die ABC Bank gehören, stellt dem Fach an der Hochschule der Künste pro Jahr 30 000 Mark zur Verfügung. Dieses Geld wird in Computer, Kameras und Schneideplätze investiert. "Das ist eine gute Sache", freut sich Christian von Jakusch-Gostomski von der studentischen Fachschaft. "Bei uns gibt es sonst nur analoge Schneideplätze, und mit denen arbeitet in der Praxis kein Mensch mehr."

"Wir haben ein direktes Interesse daran, dass die Studenten vernünftig ausgebildet werden", begründet Stefan Hansen das Engagement. Der Geschäftsführende Gesellschafter von Dorland weiß, dass "die Hochschule die Technik nicht aus eigener Kraft bezahlen kann". Die Kooperation kam zustande, weil der Kreativdirektor von Dorland, Albert Heiser, bei den Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikatoren als Dozent tätig ist und die Probleme somit aus erster Hand kennt. Im Gegenzug für ihre Finanzspritze darf die Agentur eine enge fachliche Kooperation mit der Hochschule erwarten. Sie setzt ihren Namen auf Einladungen des Fachs und holt sich bei Bedarf Referenten von der HdK ins Haus. "Wir wollen aber auf die Lehrpläne keinen Einfluß nehmen", betont PR-Berater Volker Schlichting.

Angesichts der leeren Staatskassen müssen sich die Unis nach alternativen Finanzquellen umsehen. Dafür gibt es im wesentlichen drei Möglichkeiten. Einerseits bitten die Hochschulen um Spenden - etwa für die Bibliotheken. Die Geldgeber sind häufig Privatpersonen, deren Namen in der Öffentlichkeit nicht genannt werden. Andererseits werben die Unis sogenannte Drittmittel ein. Mit diesem Begriff werden alle Gelder zusammengefasst, die nicht aus dem Landeshaushalt kommen, und die für bestimmte Forschungsprojekte eingesetzt werden. Sie stammen oft von Firmen, die ein fachliches Interesse an den wissenschaftlichen Untersuchungen haben. Zusätzlich wird das Hochschul-Sponsoring immer populärer. Hier wird meist nicht die Forschung an sich finanziert, sondern zum Beispiel eine Professur oder die Sanierung eines Hörsaals. Aber die Grenzen sind fließend.

Das Spektrum der interessierten Firmen reicht vom Software-Experten bis zur Touristikstiftung. Auch die Gegenleistungen der Unis sind vielfältig und im Einzelnen zu verhandeln. Mal holt sich ein Unternehmen zur Auflockerung der Betriebsversammlung Nachwuchs-Musiker von der Hochschule. Mal taucht der Name des Finanziers auf Flyern auf. Von der Wissenschaftsverwaltung werden da kaum Grenzen gesetzt. Es gibt keinerlei Genehmigungsverfahren, betont Sprecherin Kerstin Schneider. "Die Hochschulen können autonom entscheiden. Wir unterstützen das Sponsoring."

Doch das Sponsoring wird von vielen mit unguten Gefühlen beobachtet. Sie finden es traurig, dass die Hochschulen auf Betteltour gehen müssen. "Ich habe die Befürchtung, dass einige Studiengänge hinten runter fallen, weil sie nicht sofort einen wirtschaftlichen Nutzen erbringen", sagt Christian Matiack, Student der HdK. Und die FU-Studentin Antje Wittig Hochschulsprecherin der Grünen Jugend Berlin, in der sich die den Bündnis-Grünen nahestehende Jugend organisiert hat, sieht im Hochschulsponsoring einen "vorläufigen Höhepunkt der neoliberalen Hochschulpolitik".

Einige Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaftler kritisieren, dass sie von ihrem neuen Sponsor eher zufällig erfahren hätten - als Dorland mit einer Unterzeile auf einer offiziellen Einladung des Fachs auftauchte. Andere lästern, die Agentur wolle mit ihrem Engagement für die Studenten ihr eigenes, eher biederes Image aufpolieren. Trotz dieser kritischen Stimmen ist ein Siegeszug des Sponsoring zu beobachten. Allein an der HdK steigt der Gesamtumfang von 750 000 Mark (1998) in diesem Jahr auf 1,5 Millionen Mark, schätzt die Sponsoring-Verantwortliche Christine Faber. Dabei weiß kaum jemand genau, wieviel Mark in der Stadt insgesamt eingeworben werden. Bislang entstanden die Kontakte nämlich vor allem dadurch, dass einzelne Dozenten oder Firmenvertreter die Initiative ergriffen. Erst seit wenigen Monaten gibt es an der HdK, der Humboldt-Universität und der Freien Universität Personen, die das Sponsoring koordinieren. Die Technische Universität will demnächst nachziehen.

Die FU hat gerade die Berliner PR- und Marketingagentur Rugo Kommunikation GmbH beauftragt, eine projektbezogene Sponsoring-Strategie zu entwerfen. Für das Werben von Partnern kann Rugo mit der branchenüblichen Provision von 15 bis 20 Prozent rechnen. Da die Uni mit ihren diversen internen und externen Zielgruppen ein heterogenes Gebilde sei, könne man sich vorstellen, mit ganz unterschiedlichen Unternehmen zu kooperieren, sagt die Sponsoring-Verantwortliche der FU, Caroline Wichmann: "Die Freiheit von Lehre und Forschung darf dabei allerdings nicht eingeschränkt werden."

Ihre Kollegin Christine Faber von der HdK spricht sogar von einem "Public-Private-Partnership". "Uns geht es um einen Know-How-Transfer, eine partnerschaftliche Beziehung", sagt sie. Faber hofft, dass die Firmen dabei fachlich von der HdK profitieren, während die Studenten leichter Praktikumsplätze finden. So hat die Agentur Dorland am Schwarzen Brett des Fachs Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation eine Ecke eingerichtet, wo sie über Neuigkeiten vom Berliner Werbemarkt berichtet. Außerdem findet man dort eine Jobbörse. Gleichzeitig stiftet die Agentur zwei Mal jährlich den mit 2000 Euro dotierten Dorland First Impression Award. Dieser Preis wird für das beste Werbeprojekt verliehen, das die Studenten vor ihrer Diplomprüfung entwerfen. "Es ist mittlerweile selbstverständlich, dass Firmen sich an der Universität engagieren", glaubt Albert Heiser von Dorland.

Eine Rundumschau zeigt, dass in Berlin ganz unterschiedliche Sponsoring-Ideen entwickelt werden. So stellte die Bremer Reidemeister & Ulrichs Stiftung je 30 000 Mark für die Restaurierung der beiden Humboldt-Denkmäler vor dem Hauptgebäude der Uni Unter den Linden zur Verfügung. An der HdK finanziert die Bank 24 eine Professur für multimediale Gestaltung. An der FU betreuen Wissenschaftler die Forschungsaktivitäten der Frankfurter Willy Scharnow-Stiftung für Touristik. Diese wird das Institut in den nächsten fünf Jahren mit 170 000 Mark jährlich unterstützen. So trägt das Institut für Tourismus neuerdingsjetzt den Namen des Tourismus-Pioniers und Unternehmers Willy Scharnow.

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