Gesundheit : Immunbalance für heile Haut

Neue Hoffnungsträger in der Behandlung der Schuppenflechte

Adelheid Müller-Lissner

Schuppenflechte: Der Name beschreibt eine chronische Hauterkrankung, die durch rote, scharf begrenzte, silbrige Hautschuppen auffällt. Am häufigsten machen sie sich am Knie, am Ellbogen und an der Kopfhaut bemerkbar. Bei manchen treten die Schuppungen in Schüben auf, bei anderen sind sie zum Dauerzustand geworden. Der sprechende Name (lat. Psoriasis) ist jedoch keine Erklärung für die Krankheit. Früher hielt man die Schuppenflechte schlicht für eine Verhornungsstörung der Haut. Heute weiß man, dass die Ursachen tiefer liegen.

Übereifriges Immunsystem

Tiefer, das heißt im Immunsystem. Die Psoriasis ist eine entzündliche Erkrankung der Haut, aber die Entzündungsreaktionen erstrecken sich in schweren Fällen auch auf die Gelenke. Ursache ist ein Übereifer der körpereigenen Abwehr. Das verbindet die Psoriasis mit anderen Krankheiten, die auf den ersten Blick gar nichts mit der Haut zu tun haben, weil sie sich „innen“ abspielen. Etwa mit der rheumatoiden Arthritis oder der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Diese Erkenntnis eröffnet die Chance, die Schuppenflechte auch mit Rheuma-Medikamenten zu behandeln, die sich aktiv in die gestörten Arbeitsabläufe des Immunsystems einmischen.

Bei der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ging es jetzt um diese „Immunmodulatoren“ oder „Biologicals“. „Charakteristisch für die ‚Biologicals’ ist, dass sie in die Mechanismen der Entzündungsreaktion eingreifen“, erläutert der Dermatologe Markus Friedrich, der an der Charité das Psoriasis-Studien-Zentrum leitet. Zu den neuen Hoffnungsträgern gehören monoklonale Antikörper, aber auch so genannte Fusionsproteine, in denen Teile von Antikörpern und Eiweißstoffe kombiniert werden, und rekombinante Proteine, für die körpereigene Botenstoffe zusammengesetzt wurden.

Nach neuestem Verständnis ist die Schuppenflechte eine Autoimmunkrankheit der Haut, bei der Zellen des Immunsystems, die sogenannten T-Lymphozyten, die über die Lymphknoten in die Haut einwandern, für die vermehrte Ausschüttung von Zytokinen sorgen. Das sind biologisch aktive Substanzen, die die Zellen der Haut zu verstärkter Teilung anregen. Wahrscheinlich sind ganz „normale“ Infektionen, etwa eine Streptokokken-Angina, ein Auslöser für das verhängnisvolle Geschehen.

Die Immunmodulatoren setzen in verschiedenen Phasen dieses Prozesses an: Alefacept, ein in den USA bereits zugelassenes Fusionsprotein, unterbindet das „Gespräch“ zwischen den T-Zellen und den Zellen, die ihnen den vermeintlichen Feind erstmals „vorstellen“. Efazulimab, ein monoklonaler Antikörper, der ebenfalls kurz vor der Zulassung steht, wirkt ähnlich und vermindert das Einwandern von T-Zellen vom Blut in die Haut. Zwei weitere Präparate, die schon bei Rheuma eingesetzt werden, hemmen den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha, der bei einer Entzündungsreaktion eine zentrale Rolle spielt und der auch bei Psoriasis-Patienten erhöht ist. Die TNF-alpha-Blocker wirken auch bei Psoriasis gut, sie sind aber teuer und nicht ohne Nebenwirkungen.

„Ein Wermutstropfen ist, dass durch die Hemmung von TNF-alpha schlafende Infektionen geweckt werden können, zum Beispiel eine Tuberkulose“, berichtete auf dem Kongress Ulrich Mrowietz von der Uni Kiel. Ihr Einsatzgebiet wird deshalb wahrscheinlich die schwere Psoriasis mit Gelenkbeteiligung bleiben. Ein vielversprechender Weg, der an der Charité, aber auch an der Uni Heidelberg verfolgt wird, besteht darin, auf die im Übermaß ausgeschütteten Zytokine mit anderen Botenstoffen Einfluss zu nehmen. Mit den Botenstoffen Interleukin 4 oder 10 wird die Balance wiederhergestellt.

Wenn Salben nicht helfen

Wie wird in der Zukunft die Behandlung der Schuppenflechte aussehen? „Man kann heute die leichteren Formen der Schuppenflechte mit Salben gut behandeln, aber leider reicht das längst nicht immer“, so Friedrich. Mit den „Biologicals“ könnten Schwerkranke behandelt werden, die oft mehrmals im Jahr im Krankenhaus liegen. Der große Fortschritt der Immunmodulatoren besteht nach Ansicht von Mrowietz darin, dass sie „gezielt entwickelt und nicht zufällig entdeckt wurden“. Sein Frankfurter Kollege Wolf-Henning Boehncke kommentiert: „Die ganze Forschung hat jetzt endlich zu etwas geführt.“

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