Gesundheit : Impf-Emfehlungen: Gegen Pneumokokken früher impfen

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300 Kinder erkranken in Deutschland jährlich an einer Hirnhautentzündung, die durch Pneumokokken-Bakterien hervorgerufen wird und in zehn Prozent der Fälle tödlich endet. Über eine Million Kinder unter fünf Jahren erkranken in der ganzen Welt an Lungenentzündungen, die dieser Erregertyp verursacht. Besonders gefährdet sind auch ältere Menschen mit Diabetes, Immunmangel- oder Herz-Kreislaufkrankheiten und kleine Kinder, bei denen besondere Risiken vorliegen. Zwar kann man die Krankheiten mit (Betalactam-)Antibiotika behandeln. Doch wird von zunehmender Unempfindlichkeit der Erreger berichtet.

Nun hat die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts, in Deutschland wichtigste Instanz in allen Impffragen, vor wenigen Tagen ihre Empfehlungen für die Impfung von Kindern gegen die Pneumokokken erweitert. Grund ist die Einführung eines neuen Impfstoffs (7VPnC), der schon bei Säuglingen zum Aufbau der - durch T-Zellen vermittelten - Immunabwehr führt. Der bisher verfügbare Impfstoff wurde erst für Kindern ab zwei Jahren empfohlen.

Weil die Erfahrungen noch begrenzt sind, rät die Impfkommission, einstweilen nur besonders gefährdete Kinder zu impfen: Frühgeborene, die vor der 38. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen, Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm, Säuglinge mit Gedeihstörungen oder mit Erkrankungen des Zentralnervensystems. Mit dem Impfen soll bei diesen Babys nach Möglichkeit schon im dritten Lebensmonat begonnen werden. Wenn auch in Europa genügend Erfahrungen mit dem Impfstoff vorliegen, von dem in den USA schon zwölf Millionen Einzeldosen gespritzt wurden, soll über die generelle Aufnahme in den Impfkalender entschieden werden. Dann ist möglicherweise auch ein Impfstoff verfügbar, der zusätzliche Spielarten des Erregers abdeckt und auch Mittelohrentzündungen verhindert.

Auch bei einigen anderen Impfungen hat die Stiko ihre Empfehlungen verändert. So hat sich der Kreis der Personen, denen ein Schutz gegen Windpocken angeraten wird, erweitert: Neben Frauen mit Kinderwunsch und Beschäftigten im Gesundheitswesen sollten bisher vor allem Kinder mit bestimmten Krebserkrankungen, vor großen Operationen oder mit schwerer Neurodermitis und deren Angehörige geimpft werden - natürlich nur, wenn sie die Kinderkrankheit noch nicht durchgemacht hatten. Nun ist auch von erwachsenen Patienten mit Leukämie oder vor einer Organtransplantation die Rede, außerdem von Beschäftigten von Kinderkrippen, bei denen keine Antikörper nachweisbar sind.

Auch die Empfehlungen für die Impfung gefährdeter Personen nach Kontakt mit Windpocken-Kranken wurden erweitert, so auf Schwangere, die die Kinderkrankheit nicht durchgemacht haben. Erweiterungen gibt es zudem für die Meningitis-Impfung und den Schutz gegen Masern, Mumps und Röteln nach Kontakt mit Kranken.

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