Implantate : Gut verzahnt

Zu den herkömmlichen Gebissprothesen gibt es mittlerweile viele Alternativen. Implantate werden dabei immer beliebter. Bei ausländischen Produkten kann kräftig gespart werden.

Philipp Eins
Zahnarzt
Implantate - die teure Alternative zur Gebissprothese. -Foto: ddp

Ein strahlendes Lächeln bis ins hohe Alter – für viele Menschen ist das lediglich ein Wunschtraum: Über 53 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 50 Jahre befürchten, dass sie als Pensionäre ohne Zähne auskommen müssen. Die Forschung jedoch verspricht schnelle Hilfe: Je nachdem wie stark die Zähne geschädigt und wie viele gesunde Zähne noch vorhanden sind, gibt es heute viele Alternativen zur herausnehmbaren Gebissprothese. Die Palette reicht von festsitzendem Zahnersatz, also einzelnen Kronen, mehrgliedrigen Brücken bis zu Implantaten, also künstlichen Zahnwurzeln.

„Implantate bieten eine zahnschonende Möglichkeit, einzelne oder mehrere Zähne stabil und ästhetisch ansprechend zu verankern“, meint Carolin Reeß von der Initiative pro Dente. Gewöhnliche Kronen werden mit einem Spezialzement auf dem abgeschliffenen Zahnstumpf befestigt, bei Brücken müssen in der Regel die Zähne links und rechts der Lücke angepasst werden. Implantate dagegen ersetzen die Wurzeln komplett: Sie bestehen in der Regel aus Titan, werden chirurgisch im Kiefer befestigt. Nach sechs Monaten, wenn der Kieferknochen an die künstliche Wurzel herangewachsen ist, schraubt der Zahnarzt einen vorgefertigten Aufbau in das Implantat ein. Auf dem können einzelne Kronen oder festsitzende Brücken befestigt werden.

Der Vorteil: Implantate fühlen sich an wie eigene Zähne und sind auch ähnlich stark belastbar. Außerdem erhalten sie den natürlichen Druck auf dem Kieferknochen aufrecht: Im Gegensatz zu vielen Prothesen verhindern sie, dass sich der Knochen zurückbildet. Bei Erkrankungen wie Leukämie und Diabetes, auch ungünstigen Lebensumständen wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum ist der Einsatz von Implantaten nicht ratsam – da das Knochenwachstum beeinträchtigt sein könnte. Während die künstlichen Wurzeln lange überdauern, gelten die darauf befestigten Kronen oder Brücken als Schwachstelle: 95 Prozent der Implantate sind nach fünf bis zehn Jahren noch unversehrt – die Aufsätze dagegen müssen nach Angaben der Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (DGI) in rund 25 Prozent der Fälle während der ersten fünf Jahre repariert oder sogar neu angefertigt werden. „Meist brechen Keramikverblendungen ab, oder die Schraubverschlüsse lockern sich“, erklärt der Zahnmediziner Manfred Wichmann von der Universität Erlangen. „Das kommt daher, dass viele Patienten mit den Implantaten sehr kraftvoll zubeißen.“ Eigene Zähne seien sensibler als die meist aus Titan gefertigten Implantate, so dass die Menschen schneller merkten, wenn zum Beispiel eine Nuss zu hart für das Gebiss sei. Wissenschaftler versuchten, die Implantate mit Stoßdämpfern auszustatten: „Jedoch ohne Erfolg“, wie Wichmann bestätigt. Daher versuchen die Forscher, besonders harte Keramikstoffe zu entwickeln, die der Belastung standhalten.

Einerseits entscheiden sich immer mehr Patienten für die Zahnimplantate: Im Jahr 2006 wurden rund 600 000 künstliche Wurzeln eingepflanzt. Insgesamt entscheiden sich jedoch nur 3,6 Prozent der Frauen und 1,4 Prozent der Männer, die auf Zahnersatz angewiesen sind, für diese Form. Der Grund: Implantate sind teuer. Zwischen 1500 und 3000 Euro pro Zahn müssen die Patienten zahlen. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt lediglich einen Bruchteil der Kosten. „Seit 2005 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen an Stelle von prozentualen Zuschüssen die sogenannten befundorientierten Festzuschüsse“, sagt Carolin Reeß von pro Dente. Wer zehn Jahre lang regelmäßig zur Vorsorge geht, erhält zum Beispiel 355 Euro Festbonus für einen fehlenden Seitenzahn – der Eigenanteil kann teurer sein als ein ganzes Monatsgehalt.

Wer glaubt, mit einer Zusatzversicherung für Zahnersatz ausgesorgt zu haben, irrt: Keine der privaten Versicherungen übernimmt die zusätzlichen Kosten für hochwertigen Zahnersatz vollständig, wie ein Vergleich der Stiftung Warentest ergeben hat. Etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtrechnung bleiben auf jeden Fall beim Patienten hängen. Außerdem haben sich alle Versicherungen davor geschützt, dass Zahngeschädigte kurz vor der Behandlung noch eine Police abschließen: Ist ein Zahnproblem bei Vertragsschluss bekannt, übernimmt die Gesellschaft die Kosten nicht. Vereinbarte Leistungen werden erst nach frühestens acht Monaten gezahlt – in manchen Fällen schränken die Versicherer sogar in den ersten drei bis fünf Vertragsjahren die Leistungen ein. Die monatlichen Kosten für die Versicherung belaufen sich auf etwa 10 bis 25 Euro.

Viele Patienten setzen ihre Hoffnungen daher lieber in preisgünstigen Zahnersatz aus Singapur, der Türkei, aus Manila oder China. Wer sich von seinem Zahnarzt in ausländischen Dentallabors gefertigte Kronen, Brücken oder Implantate einsetzen lässt, kann nach Anbieterangaben zwischen 40 und 70 Prozent der Kosten sparen. „Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen“, meint Experte Manfred Wichmann. „DVD-Spieler und Fernseher kaufen wir auch aus Fernost – warum soll es dort keinen guten Zahnersatz geben?“ Problematisch ist laut Wichmann nur, dass der Markt schwer überschaubar ist: „Und das Material der fremden Dentallabore kann man vor der Bestellung schlecht prüfen.“

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