Gesundheit : In Balance

Wie Meditation Körper und Geist in Einklang bringt

Adelheid Müller-Lissner

Die Beine brezelartig verschlungen oder im Armstand weit gen Himmel gereckt, während ein vibrierendes „OMMM“ den Raum erfüllt. Solche Bilder, die manchem sofort in den Sinn kommen, wenn das Wort „Yoga“ fällt, erzählen nicht die ganze Wahrheit über die indische Lehre. Yoga, das Wort stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „vereinen, verbinden“ – es geht um die Einheit von Körper und Geist.

Dabei sind die verschiedenen Körperhaltungen („asana“) zwar tatsächlich ein wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems, das auf mehrere 1000 Jahre altes Wissen zurückgeht; im Abendland findet es erst seit 100 Jahren immer breiter werdendes Interesse. Wichtig sind aber auch die bewusste Regulierung des Atems („pranayama“) und die Übung der Konzentration bis hin zur Meditation („dhyanam“).

Beides wird, wie die Körperhaltungen, als aktive Übung verstanden. Die Herstellung einer besonderen Verbindung von Körperhaltung, Atembewegung und Achtsamkeit gilt als das eigentliche Ziel. Es kann in Gruppenveranstaltungen, aber auch mit Hilfe eines individuellen Übungsprogramms erreicht werden.

Die Yoga-Neulinge, für die etwa im Berliner Yoga-Zentrum ein maßgeschneidertes Programm zusammengestellt wird, haben zum Teil schon körperliche Beschwerden, gegen die sie erfolglos verschiedene Therapieansätze ausprobiert haben. Andere kommen, wie die Ärztin und Zentrumsleiterin Imogen Dalmann erzählt, aber auch, weil sie lernen wollen, mit innerer Unruhe besser umzugehen und leistungsfähiger zu werden. Ihr Kollege Martin Soder nennt eine dritte Gruppe: „Es kommen auch Menschen, die die Sinnfrage stellen, die sich in einer Krisensituation fragen, ob das schon alles war und ob sie so weiterleben möchten.“ Für alle diese drei Bereiche hat Yoga „Konzepte und ein Paket von Übungen“ anzubieten. Wirken können sie jedoch nur, wenn sie als regelmäßiges Element in den Alltag eingebaut werden können.

„Yoga ist kein schnelles Gesundheits- Ding, aber es könnte Überraschungen bereit halten für diejenigen, die bereit sind, sich in die Sache hinein zu begeben“, war vor einigen Jahren auch im Mediziner-Fachblatt „Lancet“ zu lesen. Wenn Stress Krankheiten verursachen könne, so wurde dort der Direktor der britischen „Yoga for Health Foundation“ Howard Kent zitiert, dann könnten „Friede und Ruhe ihrerseits zu Gesundheit führen“.

Stress ist heute eines der großen Einsatzgebiete von Yoga als Therapie. Wissenschaftliche Studien gibt es dazu noch nicht viele. Sie sind auch deshalb schwer zu realisieren, weil das Paket von Übungen individuell geschnürt werden sollte. „Es gibt kein einheitliches Set von Übungen, das wir etwa Patienten mit einem Magengeschwür anbieten könnten“, warnt Dalmann.

Eine Studie im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bei der Firma Daimler-Chrysler ergab jetzt, dass Yoga hier so gut wirkt wie Autogenes Training, das als Entspannungsverfahren schon länger anerkannt ist.

Psychologen der Universitäten Potsdam und Oldenburg werteten aus, was die Therapie den Mitarbeitern brachte, die an Kursen mit einem der beiden Verfahren teilnahmen. Sowohl das etablierte Entspannungsverfahren als auch ein Gruppen-Yoga-Programm brachten einen Zuwachs an Gelassenheit, Wohlbefinden und der Fähigkeit, mit Stress gut umzugehen.

Natürlich sollte keiner glauben, dass man mit einigen entspannungsfördernden Übungen „den“ Yoga vollständig ausgeschöpft habe. Auch im Ursprungsland Indien ist das ein weites Feld. „Einen spirituellen Wert kann man nicht erwerben wie eine neue Automarke“, sagte schon Ende der 50er Jahre – und damit längst vor dem großen Boom – der Religionsgeschichtler Mircea Eliade in seinem Buch „Yoga. Unsterblichkeit und Freiheit“.

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