Gesundheit : „In die Hauptstadt gehört eine Elite-Uni“

Jürgen Zöllner zu Wissenschaft und Schule in Berlin

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Herr Zöllner, was zieht Sie nach Berlin?

Der Reiz eines solchen Amtes ist sehr groß, Wissenschaft und Bildung sind für die Zukunft Berlins zentral. Mir bietet sich hier eine einmalige Chance, Verantwortung zu tragen.

Welches sind die größten Herausforderungen in der Berliner Hochschulpolitik?

Wir müssen einen problematischen, aber aus meiner Sicht machbaren Spagat hinkriegen. Auf der einen Seite müssen wir eine möglichst große Anzahl von jungen Menschen hochqualifiziert ausbilden, aber auf der anderen Seite die notwendige Profilbildung in der Spitze nicht zu kurz kommen zu lassen. Gerade in Berlin gibt es doch Wissenschaftsbereiche, die nicht nur national, sondern international absolute Spitze sind. Die müssen wir weiter stützen und womöglich so organisieren und sichtbar machen, dass sie tatsächlich zum Nutzen der Stadt und der gesamten Republik wirksam werden.

Berlin hat in der ersten Runde des Elitewettbewerbs schwach abgeschnitten. Was muss passieren, damit die Hauptstadt in der zweiten Runde doch noch eine Elite-Uni bekommt?

Ich gehe davon aus, dass die Universitäten alles in ihrer Macht stehende tun werden, um in der zweiten Runde erfolgreich zu sein. Und sie können sich darauf verlassen, dass ich mit meine Erfahrungen überall da wo es möglich ist, einbringen werde. Die Hauptstadt braucht keine Elite-Uni, aber sie verdient eine, und hier gehört eine hin.

Bildung und Wissenschaft haben laut Koalitionsvertrag in Berlin Priorität. Wird Ihr Etat aufgestockt?

Ein Problem der öffentlichen Diskussion ist es, dass die Qualität immer daran gemessen wird, wie viel Geld ausgegeben wird. Man muss erstmal sehen, welche Leistungen tatsächlich erbracht werden und Spielräume nutzen. Möglicherweise kann sich dann zeigen, dass man über zusätzliche Ressourcen sprechen muss.

In den Verhandlungen um den Hochschulpakt sah sich Berlin zuletzt nicht in der Lage, 19.500 Studienanfängerplätze pro Jahr zu erhalten. Werden Sie den Finanzsenator um mehr Geld bitten?

Ich bin optimistisch, dass ich solche Probleme mit meinem Kollegen Sarrazin lösen werde.

Werden Sie sich für Studienkonten stark machen, die es in Rheinland-Pfalz seit dem Wintersemester 2004/05 gibt, die aber in Berlin an der PDS gescheitert sind?

Aus dem Koalitionspapier geht hervor, dass wir keine Studiengebühren einführen wollen – diesen Standpunkt habe ich auch in Rheinland-Pfalz vertreten. Wir sehen aber, dass es Probleme gibt, wenn andere Länder Gebühren einführen. Denkbar wäre auch in Berlin den Weg der Notwehr zu gehen – mit einer Landeskinderegelung...

... wonach Sie Gebühren verlangen, sie den Landeskindern aber zurückerstatten.

Ja. Durch den Hochschulpakt ist allerdings auch manches in Bewegung gekommen. Vielleicht kann ich ja den Berliner Senat davon überzeugen meinen Vorteilsausgleich – nach dem Prinzip, dass das Geld den Studenten folgt – in die Verhandlungen zur Förderalismusreform II einzubringen. Wenn es klappt, würde sich die Gefechtslage gerade auch für Berlin schlagartig ändern.

Was halten Sie von Berlins Modellversuch einer Gemeinschaftsschule?

Die Gemeinschaftsschule ist ein Ausgangspunkt, der viele Probleme lösen kann. Aber die Menschen haben unterschiedliche Erwartungen. Es gibt keine einfache Lösung, die alle glücklich macht.

Wie lässt sich das Superressort schultern?

Ich habe beide Bereiche acht Jahre lang gemeinsam betreut. Ich setze keine Prioritäten. Diese Gesellschaft wird keine Zukunft haben, wenn sie nicht die Bildung auf allen Ebenen fördert. In der Schule gelingt das nur, wenn man die Lehrer mitnimmt – nicht durch Briefe, sondern durch Gespräche. Dadurch wird die Schule zeitlich großen Raum einnehmen.

Das Gespräch führten Amory Burchard und Anja Kühne.

JÜRGEN ZÖLLNER (SPD), 61, wird Berlins Bildungs- und Wissenschaftssenator. Seit 1991 war er Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz, jahrelang auch Bildungsminister.

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