Gesundheit : Indische Geistesblitze

Die Deutschen entdecken Asiens Spitzenforscher als attraktive Partner

Tilmann Warnecke

Indien ist für viele deutsche Wissenschaftler ein fernes Land, und das liegt nicht an den acht Stunden, die der Flug nach Südasien mindestens dauert. Denn während die Forschungskooperation mit China inzwischen floriert, assoziiert die wissenschaftliche Gemeinde hierzulande wie der Rest der Bevölkerung mit Indien noch immer eher Curry und Karma. Oder den Computer-Inder, der aber nicht so sehr die Qualität der indischen Informationstechnologie, sondern die Mängel der deutschen Informatikerausbildung erhellt. Nur Insidern ist bekannt, dass Indiens Forschung in der Nanotechnologie, Luft- und Raumfahrt oder Krebsforschung zur Weltspitze gehört. „Indien wird bei uns bisher nicht genug als große Wissenschaftsnation anerkannt“, sagte Karl-Christoph Bläsing vom Bundesforschungsministerium bei einem Bildungsforum Indien im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen, die sich alle zwei Jahre mit Themen aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in dieser Region befassen.

Die Defizite in der wissenschaftlichen Kooperation mit Indien sollen nun behoben werden. Die Max-Planck-Gesellschaft schickt Anfang 2004 zum ersten Mal eine Delegation auf den Subkontinent, die Forschungspartner finden will. Denn bestehende deutsch-indische Projekte zeigen, dass eine Zusammenarbeit von beiderseitigem Vorteil ist. Den Forschungssatelliten Bird beispielsweise, mit dem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Ausbreitung und die Folgen von Großfeuern wie denen in Portugal diesen Sommer erforscht, schoss eine indische Rakete in den Weltraum. Die nötige Software entwickelten die Berliner ebenfalls zusammen mit Informatikern vom Subkontinent. Infektiologen aus beiden Ländern erforschen in einem Großprojekt die Krankheit Rheumatisches Fieber, die oft zu entzündlichen Herzerkrankungen führt. Laut Projektleiter G. Singh Chhatwal vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Biotechnologie sterben an deren Folgen jährlich 400 000 indische Kinder.

Immerhin: Die Zahl indischer Studenten und Doktoranden in der Bundesrepublik stieg 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent. Zwar liegen die USA mit 56 000 indischen Austauschstudenten immer noch weit vorne, Deutschland belegt mit 3000 Hochschülern und Doktoranden aber schon Platz vier auf der Beliebtheitsskala. Hannelore Bossmann, die beim Deutschen Akademischen Austauschdienst die Region Südasien betreut, begründete dies mit der wachsenden Möglichkeit, einen Master-Abschluss an deutschen Unis abzulegen. Nach den Chinesen stellen die Inder schon jetzt die zweitgrößte Ausländer-Gruppe bei eigenständigen Master-Studienangeboten an den hiesigen Hochschulen.

Auch die indischen Hochschulen werben inzwischen um den europäischen Wissenschaftsnachwuchs. So stellten die Inder ihren Prüfungsrhythmus vor kurzem auf ein Semestersystem um, damit junge Deutsche oder Franzosen ein halbes Jahr in Südasien studieren können. Außerdem führten sie ein halbjähriges Study-India-Programm an den Unis in Hyderabad, Puna, Goa und Mysore ein, das Kurse speziell für ausländische Studierende anbietet.

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