Gesundheit : Informatik-Studiengänge: Mehr Anfänger zum Wintersemester

Bärbel Schubert

Berlins Universitäten lassen deutlich mehr Studenten zum Informatikstudium zu als zunächst geplant. Mit 250 weiteren Zulassungen in den nächsten Tagen können 1451 Anfänger dort zum Wintersemester ihre Informatikausbildung beginnen. Nach Informationen der Senatsverwaltung für Wissenschaft bleiben dennoch zunächst 879 Bewerber ohne Studienplatz. Der im Sommer erlassene Numerus Clausus bleibt bestehen.

Die Universitäten bilden demzufolge inzwischen auf jedem ausgebauten Informatik-Studienplatz zwei Studenten aus. An allen Berliner Hochschulen zusammen gerechnet, einschließlich Fachhochschulen und Berufsakademien, starten in den nächsten Wochen 2500 Anfänger ins Informatikstudium. Beworben hatten sich in diesem Fach zum Wintersemester schon 2333 junge Leute nur an den Universitäten beworben.

Dies sind Ergebnisse eines Datenabgleichs, mit dem Vertreter der Universitäten den tatsächlichen Bedarf an weiteren Studienplätzen herausfinden wollten. Dazu sollten die Mehrfachbewerbungen herausgerechnet werden. Wenn jemand seinen Studienplatz nicht in Anspruch nimmt, wollen die Hochschulen weiter nachvermitteln und so ihre Ausbildungskapazität voll ausschöpfen.

Eine erhoffte Unterstützungs-Initiative der Wirtschaft, um doch noch mehr Studenten in der begehrten Informationstechnologie zuzulassen, blieb dagegen bisher ohne Erfolg. An einem Runden Tisch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft war nach der Erörterung der Kapazitätsprobleme in der Informationstechnologie die Idee entstanden, dass die Wirtschaft mit Kooperationen und Stiftungslehrstühlen den Hochschulen helfen könnten.

Hintergrund war dabei auch, dass die Wirtschaft die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte mit Green Cards nicht als ausschließliche Lösung des Arbeitskräftemangels in den Computerberufen ansahen. "Wir bedauern sehr, dass bisher noch keine Kooperationen zustande gekommen sind", sagte die Sprecherin der Wissenschaftsbehörde, Kerstin Schneider.

Rund 80 Unternehmen seien im Juli mit dem Bedarfskatalog der Hochschulen angeschrieben worden, nachdem ein Runder Tisch mit Vertretern der Universitäten, der Politik und der Wirtschaft über den Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft und die prekäre Finanzsituation der Universitäten beraten hatte. Diese benötigen für mehr Ausbildungskapazität beispielsweise Stiftungsprofessuren und Stiftungsassistenten.

Die weitere Nachmittlung auf nicht angetretene Studienplätze wird wohl noch etliche Abiturienten in das begehrte Fach Informatik bringen. Nach früheren Erfahrungen wird mit einer Quote von 40 Prozent Mehrfachbewerbungen gerechnet.

Schon jetzt kamen alle Interessenten für Informatik als Lehramts- und als Magisterstudium zum Zug. Freie Plätze in diesem Bereich wurden bereits an Diplomstudenten vergeben. Stellen aus anderen Studiengängen in die Informatik umzuschichten dürfte den Universitäten aber auch deshalb schwer fallen, weil sie im Rahmen der Sparauflagen bereits Professorenstellen streichen.

Wissenschaftssenator Christoph Stölzl (parteilos) hatte bereits zuvor die Kosten für einen zusätzlichen Informatik-Studienplatz an der Universität mit rund 11 500 Mark jährlich beziffert. 1,15 Millionen Mark wären also für 100 neue Plätze pro Jahr zu zahlen. Bei fünfjähriger Studiendauer entstünden Mehrkosten in Höhe von 5,75 Millionen Mark. Geringere Kosten werden für Ausbildungsplätze an den Berufsakademien veranschlagt. Dort sollen 100 zusätzliche Plätze zum Beispiel im Studiengang Medienmanagement 900 000 Mark im Jahr kosten.

Hoffnungen, mit Hilfe des EU-Sozialfonds oder aus dem Zukunftsfonds Berlins weitere Ausbildungsangebote schaffen zu können, haben sich bisher nicht erfüllt. Dauerhaft muss also in diesem Bereich mit einem Mangel gerechnet werden. Trotz des verordneten Abbaus von Hochschullehrerstellen auch in den nächsten Jahren hat allerdings der Präsident der Technischen Universität, Hans-Jürgen Ewers, angekündigt, bei dauerhafter Nachfrage die benötigten Stellen in die Informatik umzuschichten.

Die gleichzeitig aufflammende Diskussion um Green Cards für ausländische IT-Fachkräfte hatte die Forderungen nach Aufnahme aller Studienbewerber angeheizt. Zuvor hatten die Technik- und Naturwissenschaftsdisziplinen jahrelang über Bewerberschwund und zum Teil in dramatischem Umfang unbesetzte Studienplätze geklagt.

Die in den letzten Monaten häufig geäußerte Befürchtung, dass sich in Deutschland dauerhaft nicht genügend junge Leute für Berufe in Naturwissenschaft und Technik interessieren würden, scheinen mit dem jetzt registrierten deutlichen Anstieg der Bewerberzahlen in fast allen entsprechenden Fächern zumindest erst einmal entkräftet. Dabei wird in der Regel auf das Beispiel USA verwiesen, wo auf diese Entwicklung mit einer dauerhaften Zureise qualifizierter Naturwissenschafter und Informatiker reagiert wurde.

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