Gesundheit : Infrarotbilder zeigen Isolierungs- und Baumängel

Christof Hardebusch

Zwischen Türrahmen und Mauerwerk zeigt der Monitor einen tief roten Balken. "Schlecht eingepasst", sagt German Lewizki. Hausherr Detlef Grosse nickt. Was er sieht, ist kein Foto, sondern ein Wärmebild. Die Aufnahme kommt aus der Infrarotkamera, die Lewizki vor dem Haus aufgebaut hat. Sie zeigt warme Gebäudepartien in Rot, kalte in Blau. Rot ist schlecht, denn diese Farbe zeigt ein Wärmeleck in Fassade oder Dach an.

"Ich will wissen, ob mein Haus so gebaut worden ist, wie es geplant wurde", sagt Grosse. Deshalb hat er Lewizki und seinen Kollegen Erk Schaffarczyk von der Firma Sunbeam mit der thermografischen Abbildung seines Hauses beauftragt. Es ist ein kalter Novembermorgen. Der Himmel ist bedeckt. Die Männer stapfen frierend um die Thermokamera herum. Genau das richtige Wetter für die Aufnahmen. Das Haus muss beheizt und der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur groß genug sein. Auch Sonnenschein schadet dem Befund. Das von der Sonne getroffene Mauerwerk erwärmt sich. Auf dem Wärmebild sieht es dann aus, als ob es nicht gedämmt wäre.

Die Kamera braucht nicht nur kalte Außentemperaturen. In ihrem Gehäuse herrschen unvorstellbar niedrige Temperaturen: 190 Grad Celsius unter Null! Dafür sorgt flüssiger Stickstoff, den Schaffarczyk vor Beginn seiner Arbeit eingefüllt hat. Vorsichtig, versteht sich: Nur einige Tropfen auf der Haut und die gurgelnde und zischende Flüssigkeit verursacht schwere Verletzungen.

Nun nimmt Lewizki eine Seite des Hauses nach der anderen ins Visier. Über den Monitor kann er jederzeit kontrollieren, was die Kamera gerade "sieht". Schließlich hat er die beste Perspektive gefunden, und er drückt auf den Auslöser. Der angeschlossene Computer speichert das Bild der Kamera auf einer Diskette. Dann kommt eine spezielle Software zum Einsatz. Mit deren Hilfe werten die Thermografen die Bilder noch einmal detailliert im Labor aus.

Erste Rückschlüsse erlauben die Monitorbilder schon an Ort und Stelle. Die Steinplatten des Gehwegs, der an der Mauerkante rund ums Haus führt, leuchten grün und gelb. Diese Farben signalisieren Temperaturen zwischen Blau und Rot. Der Gehweg ist also beheizt. "Vermutlich ist das Fundament nicht ausreichend isoliert und wärmt Ihren Weg gleich mit", sagt Lewizki dem Hausherrn. Ansonsten gibt er der Wärmedämmung des Hauses gute Noten. Grosse kann mit seinem Eigenheim zufrieden sein.

Von außen jedenfalls. Innen hat das Haus ein ernstes Problem. Der Eigentümer ließ eine Fußbodenheizung einbauen. Die ausführende Firma ging in Konkurs und hatte ihre Arbeit nicht dokumentiert. "Kein Mensch weiß, wo die Heizschlangen im Boden liegen", sagt der Hausherr. Auch wisse er nicht, welcher der sieben Heizkreisläufe für welche Zimmer zuständig sei. Im Wohnzimmer sei es immer zu heiß, in anderen Räumen permanent zu kalt. Vor fünf Jahren ließ Grosse das Haus bauen. Seither kämpfen seine Gattin und er mit der Heizung.

Hätte er nicht von der Thermokamera und ihren Möglichkeiten erfahren, wäre das auch so geblieben. Als einzige Alternative wäre ihm geblieben, alle Böden aufzureißen und die Heizung neu verlegen zu lassen. Eine teure Angelegenheit. Das ging Grosse zu weit und ist nun auch nicht mehr nötig. Denn die Thermokamera kann auch warme Heizungsrohre aufspüren.

Lewizki baut seine Kamera zuerst am Heizkessel auf. Dort beginnen die sieben getrennten Kreisläufe der Fußbodenheizung. Jeder hat ein eigenes Ventil und einen eigenen Thermostaten. Von dort aus verfolgt die Kamera den Weg der Heizschlangen im Fußbodenestrich. Der Monitor zeigt sie als grüne Streifen auf blauem Grund.

Die Suche nach verborgenen Strängen

Zusätzlich schießt Lewizki von jeder abgebildeten Raumpartie noch ein konventionelles Lichtbild. "Leg dort mal bitte einen Kugelschreiber auf den Boden. Die Leitung biegt da um die Ecke", bittet Lewizki seinen Kollegen. Der Kugelschreiber ist sowohl auf dem Foto als auch auf der Thermografie zu sehen - als schmaler blauer Strich. Der Vergleich der zwei Bilder erleichtert bei der späteren Auswertung der Daten die Orientierung. Denn das Wärmebild allein lässt oft kaum erraten, in welchem Raum es gemacht wurde.

Sechs der sieben Heizkreisläufe im Fußboden kann die Kamera schnell orten. Der siebte will und will nicht auf dem Monitor erscheinen. "Wahrscheinlich erhält er zu wenig warmes Wasser", so Lewizki Mutmaßung. Ein kaltes Rohr ist für die Kamera genauso blau wie der kalte Beton, der es umgibt. Erst nachdem Lewizki die Empfindlichkeit der Kamera auf ihr Maximum eingestellt hat, zeigt der Monitor einen grünlichen Schatten im kalten Blau des Fußbodens.

Was die Heizung betrifft, ist der Befund nun klar. "Alle Thermostaten sind falsch angeschlossen. Der Wasserdruck muss in allen Heizkreisläufen neu eingestellt werden", sagt Grosse. Gäbe es die ausführende Firma noch, er könnte sie nun verklagen. Denn die Heizrohre liegen nicht dort im Boden, wo sie laut Bauzeichnung liegen müssten. Die Wärmebilder zeigen das - ein Beweis, den die Gerichte anerkennen. Mauern und Dach des Hauses halten dagegen die Wärme tadellos in den Räumen. "Das ist nicht immer so", sagt Lewizki: "Häufig pfuschen Handwerker bei der Dachdämmung, weil man das ja später nicht sehen kann."

Zu seinen Auftraggebern zählt der "Kameramann" vor allem Besitzer von Eigenheimen. "Sie rufen uns, wenn das Haus mehr Energie schluckt, als es dürfte", sagt Lewizki, "oder wenn es an bestimmten Stellen permanent zieht." Auch Zugluft sei häufig eine Folge von versteckten Baumängeln oder Wasserschäden. Die Wärmebilder liefern dann gleich die Anleitungen für gezielte Reparaturen.

Ganz billig ist die Thermografie nicht. Mit 550 DM für vier Außenaufnahmen - Anfahrt inklusive - ist Lewizkis Firma Sunbeam günstiger als viele andere Anbieter. Jedes weitere Bild kostet allerdings 60 DM bis 100 DM extra, je nach Aufwand. Doch die Investition lohne sich, meint Lewizki: "Führt der Befund zu Energieeinsparung oder beweist er Pfusch am Bau, sind diese Kosten schnell eingespielt." Hausherr Grosse ist jedenfalls nun von der Thermografie überzeugt. Er schickt die Sunbeam-Männer von seinem Eigenheim aus gleich weiter zu einem Autohaus, das er im Berliner Umland führt: "Machen Sie da dasselbe noch mal."

Ob ein Gebäude Wärmelecks aufweist, das lässt sich nicht nur mit Hilfe der oben näher vorgestellten Technik der Thermografie ermitteln. Ebenso geeignet, aber wesentlich aufwendiger, ist der sogenannte "Blower Door Test". Bei diesem Verfahren dichten die Ingenieure das Haus luftdicht ab und blasen anschließend wie bei einem Ballon mit Hochdruck Luft hinein. Dieser Luft ist allerdings Trockeneis zugesetzt. Der Überdruck treibt den Nebel durch jede undichte Stelle hindurch nach außen und macht dadurch das Leck sichtbar.Kostenlose Informationen zur Thermografie und Energieberatung gibt es bei Sunbeam unter 26 55 43 80 oder im Internet unter www.solarinfo.de/thermographie . Zum Blower Door Test informiert das Büro für Bauphysik unter 659 08 762.

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