Gesundheit : Ins Blaue

Berlins Naturkundemuseum hängt weiter in der Luft

Uwe Schlicht

Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung ist immer noch keine dauerhafte Lösung für die Finanzierung des Berliner Naturkundemuseums in Sicht. Am Montag steht das Schicksal des Museums erneut auf der Tagesordnung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK). Aber nach der gestrigen Sitzung des Wissenschaftsausschusses im Abgeordnetenhaus zeichnet sich ab, dass eine Entscheidung erneut vertagt wird.

Bisher wird das Naturkundemuseum über den Haushalt der Humboldt-Uni finanziert und ist damit auch den jeweiligen Sparauflagen der Universität ausgesetzt. Deshalb bemüht sich das Land Berlin darum, dass das Naturkundemuseum in die „Blaue Liste“ der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen wird und der Bund sich damit an den Sach- und Personalkosten beteiligt. Staatssekretär Gerhard Husung sagte im Wissenschaftsausschuss, die Vorteile für Berlin lägen auf der Hand. Allein von den Personal- und Sachkosten, die von 6,4 Millionen Euro im Jahr 2006 bis auf 7,2 Millionen Euro im Jahr 2010 steigen sollen, würde der Bund die Hälfte übernehmen. In diesem Jahr betragen die Aufwendungen für das Naturkundemuseum insgesamt 8,1 Millionen Euro.

Unterdessen ist eine Vorentscheidung gefallen, die die Zukunft des Museums aber nicht sicherer macht: Die Zuständigkeit für das Haus soll auf das Kulturstaatsministerium übergehen, nicht auf das Bundeswissenschaftsministerium. Das Kulturstaatsministerium sieht sich jedoch finanziell überfordert und will auf Anfrage erst die abschließenden Beratungen über den Haushalt 2006 in diesem Sommer abwarten, ehe die Entscheidung für oder gegen das Museum fällt.

Das Land Berlin bemüht sich laut Husung weiterhin darum, die Baukosten zur Wiederherstellung der Teilruine des Museumsbaus vor der etwaigen Übernahme in die „Blaue Liste“ noch über den Hochschulbau abwickeln zu lassen. Auch dabei wird auf eine Mitfinanzierung durch den Bund gehofft. Zunächst geht es um den Neubau des Ostflügels mit Kosten in Höhe von 29 Millionen Euro. Das wäre für die Bestandssicherung der Sammlungen zu besseren klimatischen Bedingungen von großer Bedeutung. Dann könnten Referenzstücke der Tiersammlung vor dem Verfall gerettet werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung werden auf 128 Millionen Euro geschätzt.

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