Gesundheit : Insekten übertragen Hirnhautentzündung - einen Impfstoff dagegen gibt es noch nicht

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Bislang sind 37 Menschen am "West-Nil-Virus" erkrankt, der erstmals in der westlichen Hemisphäre festgestellt wurdereh

Seit Wochen fürchten sich selbst hart gesottene New Yorker vor einem Mückenstich. "Killer Moskitos" können den Erreger einer gefährlichen Hirnentzündung übertragen, der "St. Louis Enzephalitis", warnte Bürgermeister Rudolph Giuliani und ließ die Millionenstadt aus der Luft mit Pestiziden besprühen.

Wenigstens vier Menschen fielen der Mückenplage zum Opfer, bis Virologen jetzt den wahren Schuldigen der mysteriösen Epidemie entdeckten: das extrem seltene West-Nil-Virus. Dieser Erreger kommt zwar vereinzelt in den Subtropen Afrikas sowie im Nahen Osten vor, war aber noch nie zuvor in der westlichen Hemisphäre identifiziert worden.

Auf die Spur führte die Forscher ein rätselhaftes Vogelsterben in New York und mehreren Orten im Norden der Stadt. Der Bronx-Zoo sah eine Reihe seltener Arten verenden, Kormorane, Adler, chilenische Flamingos und einen Pfau. In Vorgärten und auf der Straße häufte sich die Zahl toter Krähen.

Als die Behörden endlich Verdacht schöpften und eine telefonische Hotline öffneten, gingen in wenigen Tagen 523 Meldungen über tote Vögel ein.

Gewebeproben führten dann schließlich auf die richtige Spur. Das hier zu Lande unbekannte Virus ist der Erreger des "West-Nil- Fiebers", einer akuten Infektionskrankheit mit hohem Fieber, Erbrechen und Gelenkschmerzen, deren Symptome denen des häufiger vorkommenden Dengue-Fiebers gleichen. Er wurde offenbar von Vögeln in den Nordosten der USA eingeschleppt. Mücken infizieren sich, wenn sie die Vögel stechen, und übertragen das Virus dann weiter auf den Menschen.

Das "West-Nil-Fieber" gilt zwar als weniger gefährlich als die "St. Louis-Enzephalitis", kann aber Menschen mit schwachem Immunsystem doch zum Verhängnis werden. Die Gesundheits-Behörden glauben, dass dieser Erreger im Staat New York und dem benachbarten Connecticut wahrscheinlich doppelt so viele Menschen infiziert wie bisher angenommen. 37 Menschen sind bisher nachweislich an einer Infektion mit dem "West-Nil-Virus" erkrankt.

Andreas Feyl vom Berliner Tropeninstitut bedauert, dass es für Reisende nach New York bisher keine Impfung gibt. Da die Mücken nachaktiv sind, rät er, die Nacht vorsichtshalber unter einem Moskitonetz zu verbringen und zusätzlich die gängigen Antimückenschutzcremes zu verwenden.
© 1999

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