Gesundheit : Inselvariationen

Rüdiger Schaper

Die Bücher von Alberto Manguel erzählen – von Büchern. Er war Buchhändler, Vorleser des blinden Jorge Luis Borges, Lektor, Literaturdozent, Übersetzer. Als Autor hatte er vor ein paar Jahren mit „Eine Geschichte des Lesens“ einen internationalen Bestseller. „Lies, um zu leben“: Das Flaubertsche Wort scheint in „Stevenson unter Palmen“ seine Umkehrung zu erfahren. Schreib, um dem Tod in die Augen zu sehen. Auf die Südseeinsel Samoa führt das Bändchen, man schreibt das Jahr 1894. Robert Louis Stevenson hat sich in das Paradies zurückgezogen, das auch Paul Gauguin wenig Glück brachte. Lungenkrank, von Heimweh und Schreibkrisen angefressen, erlebt der Vater der „Schatzinsel“ seine letzten Wochen. Ein mysteriöser Landsmann verfolgt ihn, von brutalem Missionseifer und Hass auf die Ureinwohner getrieben. Federleicht komponiert Manguel eine Jekyll & Hyde-Variation auf Stevensons Kosten. Diese „metaphysische Kriminalgeschichte“ erinnert daran, dass Schreiben eine riskante Lebensentscheidung ist, und dass man, wie Goethe sagte, nicht ungestraft unter Palmen wandelt.

Alberto Manguel: Stevenson unter Palmen. Erzählung. Mit Zeichnungen von R. L. Stevenson. Aus dem Englischen von Chris Hirte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 110 S., 12 €.

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