Gesundheit : Intelligente Säcke für den Müll

Paul Janositz

Eine bunte Idee haben zwei Professoren an der Fachhochschule Gelsenkirchen entwickelt. Die Spezialisten für Entsorgung möchten den gesamten Müll in verschiedenfarbige Kunststoffsäcke stecken. Mit der Vielfalt von Glas-Containern, Biomüll- und Papierbehältern sowie der Tonne für den Restmüll, die derzeit die Abholplätze bevölkern, wäre es vorbei. Statt klobiger Behälter gäbe es künftig dünne durchscheinende Tüten, wobei die derzeitige Farbpalette durchaus noch erweitert werden könnte.

"Wenn beipielsweise Elektroschrott als Müllfraktion dazu käme, könnte man diesen in einen lila Plastiksack stecken", sagt Ralf Holzhauer. Der Hochschullehrer für Recyclingtechnik hat die Idee gemeinsam mit seinem Kollegen Alfons Rinschede entwickelt.

Der EDV-Spezialist wurde auch dringend benötigt, denn der Clou der Säcke ist ihre "Intelligenz". Diese soll ein Strichcode gewährleisten, der außen angebracht ist. Der Code wäre etwa viermal so groß wie der Barcode auf den Waren im Supermarkt, sagtt Holzhauer. "Die Verpackung ist für alle Müllfraktionen verwendbar", erklärt er. Die Haltbarkeit der Folien hat der Entsorgungsspezialist bereits in Laborversuchen getestet. Für Glas könne man extra starkes Material verwenden. Möglich sei es auch, einen gemeinsamen Sack für Kunststoff und Glas zu benutzen. Dann würden zerstörerische Glasteile durch den Plastikabfall entschärft.

Ein großer Vorteil des Systems wäre die Flexibilität. So könnte die Mülltrennung problemlos erweitert werden, auf Elektroschrott oder auf verschiedene Dosensorten. Man bräuchte sich nur neue Farben für die Müllsäcke auszudenken. Schwieriger zu bewältigen ist jedoch die Logistik, die Planung unterschiedlicher Termine oder das Bereitstellen geeigneter, spezieller Fahrzeuge, mit denen derzeit jede Müllsorte getrennt abgeholt werden muss.

Das Gelsenkirchener System würde mit diesem Wirrwarr Schluss machen. Geht es nach den Professoren, werden die bunten Säcke alle an einem einzigen Abholtermin abgeholt. Im Sortierwerk könnte die Ladung mit einem Lesegerät erfasst und für die Verwertung getrennt werden.

Einen weiteren Vorteil sieht Holzhauer darin, dass bei entsprechender Markierung die Gebühren für Großverbraucher je nach Menge individuell berechnet werden können. "Die gesamte Recyclingkette vom Verbraucher bis zur Verwertung lässt sich so kostengünstiger planen", sagt Holzhauer. Das Einsparpotential betrage bis zu 15 Prozent.

Skeptisch gegenüber den bunten Sacksystem äußert sich Thomas Klöckner, Sprecher der Berliner Stadtreinigung. In der Hauptstadt sei ein Müllkalender gar nicht notwendig, da die Behälter größtenteils nicht extra bereitgestellt werden müssen, betont er. Ein großes Problem sieht er auch im Datenschutz. Mit individualisierten Strichcodes könne der Abfall einzelnen Haushalten zugeordnet werden, befürchtet er.

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