Gesundheit : "International University Bremen": Bremen wird aufgewertet

Uwe Schlicht

Das Rezept ist erfolgversprechend. Man nehme einige prominente Politiker aus den Reihen der elder statesmen und aktive Manager, verbinde deren Namen mit der Idee einer amerikanischen Universität und verpflanze das Ganze nach Deutschland in eine Region, die dringend geistiger und wirtschaftlicher Impulse bedarf. Das ist für die Gründung einer privaten Universität schon die halbe Miete. Denn danach fließen aller Privatheit zum Trotz auch staatliche Mittel.

Die "International University Bremen" ist genau nach diesem Rezept ins Leben gerufen worden. Als Councilors - also Ratgeberund Aushängeschilder - fungieren die großen Namen James Baker, ehemaliger Außenminister unter Präsident Bush, Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Außenminister der Regierung Kohl, Hilmar Kopper, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und Professor Reimar Lüst, einstiger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung. Dazu kommen in dem eigentlichen Aufsichtsrat der Uni, dem Board of Govenors, noch weitere Prominente wie Lothar Späth von der Jenoptik, Professor Wolfgang Frühwald, der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Malcolm Gillis, der Präsident der Rice University in Houston Texas, Ron Sommmer von der Deutschen Telekom, Haus-Jürgen Warnecke, der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft. Zum Präsidenten wurde der ehemalige Staatssekretär Fritz Schaumann bestimmt.

Als in Bremen die Krise der Werften nicht mehr zu beheben war und die Vulkanwerft in die Schlagzeilen geriet, suchte die Landesregierung nach zukunftssicheren Arbeitsplätzen und entdeckte die Wissenschaft als Standortfaktor neu. Nicht unbedingt die Wissenschaft, die in der einstigen linken Hochburg, der Uni Bremen, geboten wurde, sondern die Wissenschaft, die mit dem Namen Rice University verbunden werden kann.

Die Gründungsgeschichte wird zu einem Paradebeispiel, wie solche Vorhaben eingefädelt werden: Professor Raymond O. Wells ist ein amerikanischer Mathematiker, mit einer Bremerin aus besten Kreisen verheiratet. Er hat einst in Deutschland studiert. Ein Anruf aus Bremen bei Raymond Wells in Texas ebnete 1997 den Weg zu den anschließenden Verhandlungen, die drei Wochen später mit den Repräsentanten der Rice University geführt wurden. Das Land Bremen spendete als Morgengabe für das amerikanische Engagement eine Startfinanzierung von 230 Millionen Mark und das Gelände einer ehemaligen Logistikschule der Bundeswehr, damit die "International University Bremen" auch einen Campus bekommt.

Fragt man Raymond O. Wells nach den weiteren Investitionen, so erfährt man lediglich etwas über deutsches Geld und Studiengebühren, nicht aber über amerikanisches Geld. Jährlich muss die Uni nach Schätzungen in den Aufbaujahren ein Budget von 20 bis 25 Millionen Mark erwirtschaften und das kann sie dauerhaft nur, wenn sie entsprechende Zinserträge aus angelegtem Kapital erzielt und dazu noch Studiengebühren einzieht. Bremer Firmen und Unternehmen sind bisher am spendierfreudigsten: Die Metall Unterweser stiftete zehn Millionen Mark, die Bremer Landesbank einen vergleichbar hohen Betrag. Schließlich wird Geld von der Sparkasse Bremen erwartet. Außerdem werden Spenden von großen Firmen wie Thyssen und Krupp erhofft.

Ziel der Universität ist es, innerhalb von fünf Jahren auf eine Stiftungskapital von 500 Millionen Mark zu kommen, um aus den Zinserträgen 25 Millionen Mark für den jährlichen Haushalt zu erzielen. Allein zehn Millionen Mark an Einnahmen sollen aus den Studiengebühren kommen. Im Gespräch sind 15 000 Mark an Studiengebühren pro Jahr. "Wir müssen innerhalb von fünf Jahren zeigen, dass wir das Geld einnehmen können, dass wir Studenten rekrutieren und die Fakultäten aufbauen. Wenn uns das nicht gelingt, dann wird das Land Bremen den von uns genutzten Campus zurückbekommen. Das ist die Sicherheit für das Land Bremen", sagt Raymond Wells.

Die neue Privatuniversität will international sein und bietet ihre Studiengänge in Englisch an. Seit dem Frühjahr hat sie in aller Welt um Interessenten geworben. Aus 1000 Bewerbungen wurden die ersten 150 Studenten durch Tests und Auswahlgespräche ermittelt. Sie kommen speziell aus Osteuropa, Mexiko, Brasilien, Argentinien, China, Kanada, Südostasien, und nur fünf Prozent der Studenten stammen aus Deutschland. Mit der Rice University wurde vereinbart, dass die Studenten aus Bremen für ein Semester nach Houston gehen dürfen.

Von den Studenten aus aller Welt wird viel verlangt: Außer Englisch sollen sie in Bremen auch eine europäische Sprache lernen, ob Französisch, Spanisch oder Deutsch. Die Vertreter der Internationalen Universität haben mit deutschen Forschungsinstituten und vor allem mit Wissenschaftlern der staatlichen Universität Bremen über Kooperation gesprochen - besonders mit der Uni Bremen ist eine gemeinsame Nutzung von Bibliotheken und Laboratorien verabredet worden. "Gemeinsame Ziele, unterschiedliche Wege", so charakterisiert Raymond Wells die Kooperation.

Das Studienangebot in der neuen internationalen Universität ist an Themen orientiert: Technik und Gesellschaft ist so ein übergreifendes Thema oder die Rolle der Stadt. Unter umfassenden Ansätzen sollen Historiker, Literaturwissenschaftler, Soziologen, Ökonomen mit Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zusammenarbeiten. Die Studiengänge sind auf Kombinationen orientiert: Mathematik mit Ingenieurausbildung, Biologie mit Ingenieurausbildung, Physik mit Ingenieurausbildung.

Als Gründungsdekane konnten zwei herausragende Wissenschaftler gewonnen werden: Der bisherige Direktor des Max- Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching, Gerhard Haerendel, wird den Aufbau der "School of Engineering and science" betreiben. Der Berliner Politik- und Sozialwissenschaftler Max Kaase vom Wissenschaftszentrum wird die "School of Humanities and Social Sciences" leiten.

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