Gesundheit : Internationaler Hochschulkurs Germanistik: In Berlin den Bildungshunger stillen

Alexander Florin

Aus Rumänien muss man heute nicht mehr fliehen. Man kann aber das Land verlassen, um den Bildungshunger zu stillen. "Uns interessiert, wie es in anderen Ländern aussieht", sagt Corina Bernic. Schon seit mehreren Jahren besucht die Rumänin verschiedene Städte Europas. Budapest, Nürnberg, Paris, München, Prag. Mit dem Chor ist sie weit herumgekommen. "Jetzt war einfach Berlin dran." In einem Literaturwettbewerb der deutschen Botschaft in Rumänien gewann sie den ersten Preis, und der war eine Teilnahme am 34. Internationalen Hochschulkurs für Germanistik an der Humboldt-Universität. Das trifft sich gut, studiert die 20-Jährige doch im fünften Semester Germanistik.

Das Veranstaltungsprogramm spannte einen Bogen über die Geschichte und Literatur Berlins bis hin zum "Jüdischen Leben", und versuchte den Erwartungen der 100 Teilnehmer aus 26 Ländern - vor allem Studierende und Lehrende der Germanistik - gerecht zu werden. "So eine internationale Veranstaltung ist gut für den Lebenslauf und um die Deutschkenntnisse zu verbessern." Die Studentin denkt schon jetzt weiter: Nach dem Studium kann sie in Rumänien Lehrerin oder Übersetzerin werden, auch in der Kultur oder im Marketing sind Leute wie sie gesucht. In Iassi, wo sie studiert, gibt es auch ein Goethe-Institut, wo sie ab und zu arbeitet.

Die Unterrichtssprache für Germanistik ist in Rumänien Deutsch. Damit gesichert ist, dass alle den deutschen Vorlesungen und Seminaren folgen können, "müssen wir vor dem Studium eine Prüfung in Deutsch und Englisch ablegen". Wer diese Aufnahmeprüfung nicht besteht, kann nur dann studieren, wenn er Gebühren zahlt, "das sind zehn von den sechzig Leuten in meiner Gruppe".

Besonders gute Studierende erhalten ein Stipendium, "damit kommt man gut über den Monat". Mit der staatlichen Förderung für Einkommensschwache ist das wesentlich schwerer. "Deshalb geht auch etwa ein Viertel aus meinem Jahrgang nebenbei jobben." Ein Jahrgang absolviert große Teile des Studiums gemeinsam. "Man lernt sich schnell kennen, aber richtige Freundschaften gibt es kaum. Die Konkurrenz ist groß, denn jeder will ein Geldstipendium bekommen."

Für Corina bleibt auch neben dem Studium kaum Freizeit. Seit zwei Jahren übersetzt sie Literatur aus Österreich und Rumänien in die jeweils andere Sprache. Außerdem arbeitet sie noch bei der "Wienzeile", eine Zeitschrift in Österreich, und einer rumänischen Zeitung mit. "Ich lebe noch", lacht sie, als sie sich zusammenrechnet, wieviel Zeit sie auf Studium und diese Tätigkeiten nebenbei aufwendet.

Ein Studium ohne Internet ist auch für rumänische Studenten fast undenkbar geworden. "Wir hatten mal eine Germanistik-Veranstaltung im PC-Pool. Der Professor saß in Konstanz und wir hier vor den Monitoren." Die Hausaufgaben schickten die Teilnehmer dann per E-Mail. Diese Veranstaltung ging ein Jahr und war der erste Internet-Kurs in Rumänien. "Ich hatte bereits am Gymnasium vier Jahre Informatik, jede Woche sieben Stunden. Aber Computer gehören ja heute dazu."

Nun ist die Sommeruniversität zu Ende und sie fährt wieder nach Hause. "Ich mag die Humboldt-Uni, ich mag so alte Gebäude, auch sind die Professoren hier nicht so trocken." Nun denkt Corina Bernic darüber nach, ob sie ihr letztes Jahr wie geplant in Wien studieren will. "Aber vielleicht komme ich doch hier her, um meinen Abschluss vorzubereiten?"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben