Gesundheit : Internationaler Rat nicht gefragt

Die „Dahlem Konferenzen“ der Freien Universität Berlin sollen modernisiert werden – doch es gibt Streit

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Steht die Freiheit der Wissenschaft auf dem Spiel? Oder handelt es sich nur um Professorengezänk? In jedem Fall könnte der in die Öffentlichkeit getragene Konflikt der Freien Universität Berlin (FU) schaden. Nachdem die „Berliner Zeitung“ über einen Streit um die „Dahlem Konferenzen“ der FU berichtet hatte, beeilte sich eine Gruppe von Beteiligten deshalb, eine Einigung zu verkünden.

„Das Problem war längst gelöst“, sagte Ludger Wöste, Physikprofessor an der FU und Mitglied des zwölfköpfigen wissenschaftlichen Beirats der Konferenzen auf Anfrage. Man sei „entsetzt über die einseitige Darstellung“ in dem Zeitungsartikel, heißt es in der Erklärung. Neben Wöste haben FUPräsident Dieter Lenzen sowie die Beiratsmitglieder und FU-Professoren Ferdinand Hucho und Randolf Menzel unterschrieben. Menzel war zuvor als Sprecher der Kritikergruppe im wissenschaftlichen Beirat aufgetreten. Am Montag hatte er dem FU-Präsidium seine Rücktrittserklärung sowie die sechs weiterer Beiratsmitglieder überreicht, darunter die des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen und des Kunsthistorikers Norbert S. Baer. Crutzen hat der FU am Dienstag schriftlich erklärt, er werde seine Arbeit in dem Gremium nun wieder aufnehmen.

In dem Konflikt geht es um die Ausrichtung der renommierten „Dahlem Konferenzen“, zu denen seit 1974 Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammenkommen, seit 1990 unter dem Dach der FU. Einige der Mitglieder des Beirats wehren sich dabei besonders gegen einen vom FU-Präsidium eingesetzten „internationalen Beirat“, der aus ihrer Sicht die inhaltliche Freiheit der Konferenzen bedrohen könnte – was FU-Präsident Lenzen abstreitet. Bestehend aus einer Reihe von Persönlichkeiten aus dem Ausland solle das neue Gremium die Konferenzen international noch bekannter machen und beim Einwerben von Fördergeldern helfen. Unruhe im wissenschaftlichen Beirat verursachen auch neue Berufungen, die die naturwissenschaftliche Besetzung des wissenschaftlichen Beirats aufbrechen und verjüngen sollen, wie es in der Erklärung heißt. Um eine Brücke zum Präsidium zu schlagen, ist die Position eines wissenschaftlichen Direktors vorgesehen, die der FU-Biochemiker Werner Reutter wahrnehmen soll. Ob nun alle Mitglieder ihren Rücktritt zurücknehmen, ist noch offen. akü

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