Gesundheit : Irren ist ärztlich

Wo Patienten sich beschweren können

Adelheid Müller-Lissner

Wenn Beschwerden auf eine fehlerhafte Behandlung zurückgehen, aber auch, wenn nur unzureichend über deren Risiken aufgeklärt wurde, hat der Patient Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Im juristischen Ernstfall sieht sich der Arzt mit einem „Behandlungsvorwurf“ konfrontiert. Nur selten wird vor einem Strafgericht wegen Körperverletzung oder gar Tötung verhandelt. Wegen materieller Ansprüche werden neben Zivilgerichten zunehmend auch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern als außergerichtliche Instanzen bemüht.

„Die meisten Verdachtsfälle kommen aus den ‚schneidenden’ Fächern“, erzählt Sybille Golkowski, Sprecherin der Berliner Ärztekammer. Fehler bei Operationen sind leichter messbar – und sie werden von Laien auch eher vermutet.

542 Berliner Fälle aus der Hauptstadt wurden im Jahr 2004 bei der gemeinsamen Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der Norddeutschen Ärztekammern in Hannover bearbeitet. „Bei 72 davon kam es zu einem Vergleich mit Schadensersatzanspruch“, berichtet Golkowski. Allein 21 davon aus dem Bereich der Unfall-, zehn aus dem der Bauchchirurgie, weitere zehn aus der Gynäkologie. Im Schnitt wurden in den letzten Jahren etwa 30 Prozent der Verdachtsfälle, die von Berlin aus an die Schlichtungsstelle gingen, von dem mit Medizinern und Juristen besetzten Gremium als reale Behandlungsfehler angesehen.

Ob Komplikationen aus falscher Behandlung resultieren oder man aufgrund der Krankheit, des Alters und der unvermeidbaren Risiken einer Therapie damit rechnen musste, ist für die Leidtragenden oft nicht zu beurteilen. Wenn das Gespräch mit dem Arzt unbefriedigend verlief, empfehlen sich als Anlaufstellen Patientenberatungsstellen der Krankenkassen, die ihren medizinischen Dienst einschalten können, oder der Verbraucherverbände. Dafür sind Kopien der Behandlungsunterlagen wichtig – deren Einsicht zu den Patientenrechten gehört.

Weitere Informationen unter:

www.forum-patientensicherheit.de

www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen

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