Gesundheit : Israelische Uni zeichnet den Bundespräsidenten aus

Sonja Kastner

Bundespräsident Johannes Rau wurde am Donnerstag mit der Ehrendoktorwürde der israelischen Universität Technion ausgezeichnet. Die Ehrung fand im Rahmen der 75-Jahr-Feier des Technions an der TU Berlin statt. Rau habe sich seit Beginn der 70er Jahre sowohl in seiner Funktion als Wissenschaftsminister als auch als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen für die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Israel und dem Technion eingesetzt, sagte der Präsident des Technions, Amos Lapidot, in der Laudatio.

Rau engagierte sich ebenfalls seit knapp zwanzig Jahren als Gründungsmitglied in der "Deutschen Technion-Gesellschaft", die die israelische Universität finanziell unterstützt. Bereits in den zwanziger Jahren existierte ein deutscher Förderverein, dessen erster Vorsitzender immerhin Albert Einstein war.

"Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine israelische Universität in Deutschland zu einer solchen Feier einlädt", betonte Rau. Er nahm damit Bezug auf die engen Verbindungen des Technions mit der Technischen Hochschule Charlottenburg, der Vorläufer-Einrichtung der heutigen TU. "Fast alle, die für die Gründung und Konzeption dieser ersten israelischen Universität verantwortlich waren, kamen von hier", sagte Rau. Die heutige Jubiläumsfeier symbolisiere für ihn eine Rückkehr zum Ursprung.

Erinnerung an Schlesinger

TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers erinnerte daran, dass viele jüdische Wissenschaftler nach der Machtübergabe an Hitler von der TH Charlottenburg vertrieben wurden, am Technion in Haifa konnten einige ihre Arbeit fortführen. Stellvertretend nannte er den jüdischen Professor für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetriebe, Georg Schlesinger, der an der Gründung des Technions maßgeblich beteiligt war.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Er nannte es eine "weise Entscheidung", Rau mit der Ehrendoktorwürde auszuzeichnen.

Amos Lapidot wies auf die Leistungen der Technion-Absolventen hin, die am Aufbau des Staates Israel beteiligt waren und durch ihr technisches Know-How dazu beigetragen haben, dass der Staat trotz seiner knappen Ressourcen überleben konnte.

Das Land Berlin stiftete im Rahmen eines Kooperationsvertrages einen Lehrstuhl im Fach Maschinenbau, der nach Georg Schlesinger benannt ist und jährlich mit 100 000 Mark unterstützt wird. Ebenso finanziert die TU gemeinsam mit dem Land Berlin den ehemaligen Lehrstuhl des Schlesinger-Schülers Max Kurrein, der bis in die 60er Jahre Dekan am Technion war.

Für die Zukunft wünschte sich Rau, den Austausch von jungen deutschen und israelischen Wissenschaftlern des Technions zu intensivieren. Das Technion "solle zum Experimentierfeld werden - nicht nur von Elektronen und Polymeren, sondern vor allem für junge Leute, die neugierig sind auf das andere Land".

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