Gesundheit : Ist die Mikrowelle ein Gefahrenherd? Tagesspiegel-Leser machen den Handy-Test

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Wer sein Essen in einer Mikrowelle aufwärmt, möchte von der Strahlung, die der Generator erzeugt, möglichst nichts abbekommen. Kann man mit Hilfe seines Handys feststellen, ob die Mikrowelle dicht ist?

Den kleinen Test, vorgeschlagen in der „Aha“-Kolumne vom Mittwoch, haben in den vergangenen Tagen viele Tagesspiegel-Leser gemacht. Sie haben ihr Mobiltelefon in das – ausgeschaltete! – Haushaltsgerät gelegt, die Tür verschlossen und ihre Nummer gewählt. Wenn das Handy klingelt, kann die entsprechende Mikrowellenstrahlung des Mobiltelefons in das Gehäuse eindringen und auch herauskommen. Bei etlichen Lesern hat’s geklingelt. Laut und deutlich. Was sagt das nun über die Qualität ihrer Mikrowelle aus? Ist sie undicht? Muss man sie gar wegwerfen?

Zunächst einmal gilt: Keine Mikrowelle ist völlig dicht. „Um das zu gewährleisten, müsste sie ein völlig geschlossener metallischer Raum sein“, sagt Michael Vollmer, Experimentalphysiker der Fachhochschule Brandenburg. Doch wer sein Essen in die Mikrowelle stellt, möchte kontrollieren können, was damit passiert. Ein Sichtfenster muss her.

Dieses Fenster ist mit Metallpartikeln durchsetzt. Sie liegen so dicht beieinander, dass das Fenster für sichtbares Licht durchlässig bleibt, also durchsichtig ist, für die Mikrowellenstrahlung dagegen eine nahezu durchgehende Metallwand darstellt. Es darf maximal so viel Strahlung austreten, wie der Gesetzgeber erlaubt. Das wird von den Herstellern, so weit bekannt ist, eingehalten.

Was aber, wenn das Handy klingelt? Ist das ein Alarmsignal?

Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt haben das Experiment am Mittwoch in ihrer Kaffeeküche gemacht. Sie haben festgestellt, dass ihre Mikrowelle auf unterschiedliche Mobilfunkfrequenzen verschieden reagiert. „Bei E-Plus hat’s nicht geklingelt, bei D1 schon“, sagt Pressesprecher Oliver Küch.

Das 1992 in Betrieb genommene D1-Netz arbeitet bei einer Frequenz von 900 Megahertz, das später hinzugekommene E-Netz bei 1800 Megahertz (1,8 Gigahertz). Die Frequenz des Mikrowellen-Generators liegt noch etwas höher. „Die Mikrowelle hat aufgrund internationaler Bestimmungen eine Frequenz von 2,45 Gigahertz“, sagt Barbara Sandow, Physikerin der FU Berlin, auf deren Versuchsreihe der Testvorschlag zurückgeht. Das D-Netz ist damit etwas weiter von der in der Haushaltsmikrowelle verwendeten Strahlung entfernt. Lassen die Geräte die Strahlung des D-Netzes also besser durch, wie das Ergebnis aus Darmstadt nahe legt?

So einfach ist die Erklärung für den unterschiedlichen Ausgang des Tests leider nicht. Die Mikrowelle ist auf 2,45 Gigahertz optimiert. Die Maße des Garraums, dessen Metallwände die Strahlung reflektieren, sind auf diese Frequenz abgestimmt. Aber auch die Handystrahlung wird von den Wänden weitgehend abgeschirmt. Moderne Handys haben allerdings sehr gute Sensoren. Wenn ein starker Sender des Mobilfunknetzes nicht weit entfernt und der Detektor des Handys gut ist, kann dieses selbst in einer Mikrowelle noch Signale empfangen. Der einfache Test zeigt bei näherer Betrachtung also weniger, ob die Mikrowelle ein Gefahrenherd ist. Er zeigt vielmehr, wie gut der Handyempfang inzwischen ist. tdp

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