Gesundheit : Jagd auf William: Wenn der Prinz kommt

Kathrin Singer

44 Prozent mehr Bewerbungen als im vergangenen Jahr meldete die schottische Universität St. Andrews zum Studienbeginn im vergangenen Wintersemester. Der größte Zuwachs kommt aus den USA, die Bewerbungen von jungen Damen dominieren eindeutig. Mehr als eindeutig ist auch der Grund für diesen rapiden Anstieg: Prinz William beginnt im Herbst sein vierjähriges Studium der Kunstgeschichte in St. Andrews, der ältesten Uni-Schottlands. Der charmante junge Thronanwärter, Prinzessin Dianas Sohn, wirkt wie ein Magnet auf die weiblichen Fans.

Verena Schramm aus Deutschland hat sich bereits Jahre vor dem Prinzen für die Hochschule mit der 560-jährigen Geschichte entschieden. Gründe dafür gab es einige: Erstens sollte es natürlich eine fachlich gute Universität sein. St. Andrews hat in dieser Beziehung einiges zu bieten. Der Fachbereich "Internationale Beziehungen", für den sich Verena entschieden hat, gilt als einer der besten im Land. Vor allem zu Vorlesungen von Paul Wilkinson zu Fragen des Terrorismus reisen Spezialisten aus der ganzen Welt an. Auch in Fächern wie Psychologie, Philosophie, Medizin, Klassik und angewandte Mathematik kann die Universität hervorragende Resultate vorweisen.

Viele kommen aus dem Ausland

Das hat sich seit einigen Jahren nicht nur in Großbritannien herumgesprochen: 12 Prozent der 5500 Studenten kommen aus dem Ausland, davon 8,4 Prozent aus den USA. Tendenz - wie gesagt - steigend. Zweitens wollte die junge Deutsche aus Bad Homburg unbedingt am Meer leben. Auch dieser Wunsch hat sich voll erfüllt. Nach nur zehn Minuten Fußweg kann sie schon die Nordsee und den wunderschönen Sandstrand sehen.

Tatsächlich liegt die kleine Stadt mit ihren alten Gemäuern, Gassen und vielen Pubs, 60 Kilometer nordöstlich von Edinburgh, bezaubernd. Die Studenten genießen das ausgiebig. Verenas Zimmergenossin, eine Flämin, geht jedes Wochenende Bergsteigen. Besonders hoch im Kurs steht Golf, das unumstritten bekannteste Markenzeichen von St. Andrews. Vor allem aber wollte Verena in einer richtig historischen Einrichtung studieren. Wider Erwarten gingen ihr zwar anfangs die Rituale ziemlich auf den Geist. Inzwischen aber mag sie die Traditionen. Zum Ritual gehört das gemeinsame Abendbrot zweimal in der Woche - dabei werden lateinische Lieder gesungen und die Studenten tragen ihre roten Roben. Nur die Theologen erscheinen in Schwarz.

Verena spürt - weil auch alles freiwillig ist -, dass die Traditionen dazu beitragen, eine Gemeinschaft zu schaffen, die sich stark mit der Universität identifiziert. Ganz wichtig ist dabei, das in St. Andrews praktizierte Prinzip der akademischen Familie: Jeder Neuling findet sich in den ersten Wochen seine Paten-Eltern. Wer zu schüchtern ist, wird ausgesucht. Sprich: Er wird von einer akademischen "Mutter" und einem akademischen "Vater" adoptiert, die sich um den "Frischling" kümmern. So entsteht eine richtig große Familie, sogar mit Geschwistern, die bei Problemen und vor allem beim Feiern kräftig zur Seite stehen.

Im Sommer wird Verena ihr Studium beenden. Ist sie froh darüber, dass sie die Uni verlässt, bevor der Prinz kommt? "Jein", meint sie. Es wäre schon interessant zu beobachten, was nun losgeht. Schon jetzt hört man, dass Fotoreporter Häuser in der Gegend gekauft haben sollen, um ständig nah am Geschehen zu sein. Doch eigentlich befürchtet sie, dass die entspannte Atmosphäre in diesem versteckten Eckchen der Welt verlorengehen könnte. Erste Anzeichen dafür gibt es. Computer und Telefone wurden von der Sicherheit bereits nach Wanzen überprüft. Rektor Brian Lang, hat danach unmissverständlich gedroht, dass Studenten und Lehrkräfte, die den Medien Informationen über den Prinzen zukommen lassen, in letzter Konsequenz auch mit der Exmatrikulation rechnen müssen.

Nachdem der Prinzenvater nun auch noch die Idee aufgegeben hat, dem Sohn ein Haus in der Nähe der Uni zu kaufen, werden die Studenten, die mit William im St. Salvators Hall - eines der elf Wohnheime - Wand an Wand leben werden, vom MI5 höchstpersönlich handverlesen.

Der Fachbereich Kunstgeschichte, der derzeit noch in fünf Gebäuden verstreut ist, soll sogar unter einem Dach konzentriert werden. Dafür werden ebenfalls Sicherheitsgründe geltend gemacht. Es heißt, dass der Rektor bereit war, seine Residenz in der Nähe des Golfplatzes dafür aufzugeben. Den Umzug bewältigt er sicherlich gern. Denn natürlich ist er stolz, dass der Prinz nicht wie alle seine Vorfahren zuvor nach Oxford oder Cambridge geht, sondern sich selbstbewusst für St. Andrews entschieden hat. Eine bessere Publicity kann sich die Universität kaum wünschen. Bereits im nächsten Jahr hofft man, schwarze Zahlen schreiben zu können.

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