Gesundheit : Jürgen Waldschmidt: Pionier aus Kinderliebe

Adelheid Müller-Lissner

"Das ist der größte Unsinn, der mir je untergekommen ist", soll ein Fachkollege zu seiner Idee gesagt haben, mit einer neuartigen künstliche Lunge die Sauerstoffversorgung schwerkranker Neugeborener über Wochen statt Stunden aufrecht zu erhalten. Einige Zeit später war ECMO geboren, die Extrakorporale Membranoxygenierung, die genau das möglich macht. "Ich brauche keinen Laser, ich kann richtig operieren", so wird die Reaktion eines anderen Kollegen auf seinen Wunsch kolportiert, ein solches Gerät anzuschaffen. Aber wer zu früh kommt, den bestraft das Leben offensichtlich nicht auf Dauer. Der Kinderchirurg und langjährige Leiter der Abteilung Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Jürgen Waldschmidt, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, wurde unter anderem sogar mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Heute finden Lasergeräte in der Medizin breite Anwendung. In der Kinderheilkunde zum Beispiel zur Behandlung von Hämangiomen. Diese Blutschwämme sind zwar gutartig, wachsen aber oft schnell und können vor allem im Gesicht entstellen. Trotzdem blieben sie früher oft unbehandelt, weil die Therapien, die zur Verfügung standen, zu gefährlich waren. Pionier für die Laser-Behandlung war Jürgen Waldschmidt. "Heute ist der Laser eine akzeptierte Therapieform für das Hämangiom. Und manche der ehemaligen Kritiker behaupten sogar gern, sie hätten sie selbst erfunden", sagte Hans-Peter Berlien, Chefarzt der Abteilung Lasermedizin im Krankenhaus Neukölln, bei der gestrigen Pressekonferenz, die er zu Ehren seines wissenschaftlichen Vaters veranstaltet hatte.

Am morgigen Sonnabend soll ein umfassendes wissenschaftliches Symposium folgen. Die Organisatoren haben dabei nach Berliens Worten "nur die Themen aufgegriffen, die seinerzeit auf Protest gestoßen sind". Dazu gehört auch die extrakorporale Leberperfusion. 1968 wurde unter Waldschmidts Mitwirkung dem ersten Patienten in Europa, einem jungen Mann mit Knollenblätterpilzvergiftung, durch eine Tierleber, an die er zeitweise angeschlossen wurde, das Leben gerettet. Heute wirken an der Charité schon Waldschmidts "Enkel" in Arbeitsgruppen mit, die die Methode weiterentwickeln.

Der Pionier ist bei aller Bescheidenheit ein bisschen stolz darauf, dass er für solche Entwicklungen mit Firmen zusammenarbeitete - "in einer Zeit, in der das Wort Industrie verhasst war". Waldschmidt, der selbst Vater von vier Kindern ist, wird von seinen kleinen Patienten geliebt. Und das beruht auf Gegenseitigkeit: "Sie feiern nicht krank", sagt der Chirurg über seine kleinen Patienten, "und man kann oft ganz direkt, mit Hand und Ohr, die Diagnose stellen".

0 Kommentare

Neuester Kommentar