Gesundheit : Jugendliche und Wissenschaft: Überforderte Schüler

Uwe Schlicht

"Mein Bruder soll nicht R2D2 heißen". Das war die schönste Formulierung, die sich Schüler einfallen ließen, als die deutsche Unesco-Kommission sie befragte: "Wem dient die Wissenschaft? Wie wollen wir leben?" Aber leider nahmen die Jugendlichen diesen schönen Satz mit den Erinnerungen an den Roboter im Film "Krieg der Sterne" nicht in ihren offiziellen Forderungskatalog auf, den sie für die Comtest-Konferenz vorbereiten. Stattdessen verfassten sie eine Art Jugendkommuniqué über die Wissenschaft.

Worum geht es? Die Unesco hat 1998 angesichts der weltweiten Herausforderung, und der Gefährdung durch die Wissenschaft eine internationale Kommission für Wissenschaft, Ethik und Technologie ins Leben gerufen (Comtest). Ihr gehören 18 Mitglieder an, darunter Dagmar Schipanski, früher Vorsitzende des Wissenschaftsrats und jetzt Wissenschaftsministerin in Thüringen. In den vier Comtest-Arbeitsgruppen für Ethik des Wassers, der Energie, der integrierten Informationswissenschaft und der Raumfahrt diskutieren Natur- und Technikwissenschaftler mit Philosophen über Nutzen und Grenzen der Disziplinen. Im Dezember tagt Comtest in Berlin - zur Vorbereitung wurden jetzt Jugendliche von Unesco-Schulen aus Rheinland-Pfalz und Berlin zusammengeholt, um ihre Sicht einzubringen.

Die Jugendlichen verständigten sich auf Thesen: Wie weit darf die Gentechnik gehen? Akute Schäden für Mensch und Umwelt müssten vermieden werden. In der Informationsgesellschaft wünschen sie weiterhin den Schutz der Daten. Für die Gesundheitsbetreuung fordern sie erschwingliche Medikamente. Keinesfalls dürften lebenserhaltende Arzneien den Entwicklungsländern vorenthalten werden - ausdrücklich nannten sie das Beispiel Aids. Die reichen Länder sollten einen Fonds für Medikamente und Gesundheitsdienste für die Entwicklungsländer einrichten. Die Pharmaforschung müsse als öffentliche Aufgabe betrachtet werden mit der Konsequenz: die Firmen forschen, aber der Staat finanziert. Ein Institut für gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung in den Entwicklungsländern ist zu gründen. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe und von Atomstrom sei zu vermindern und stattdessen in alternative Energien zu investieren. In den Schulen sei ein erschwinglicher Zugang zu Informationstechniken für alle zu schaffen.

Dagmar Schipanski wollte genauer wissen, was hinter den allgemeinen Forderungen steckt. Ihr ging es um die Grenzziehung für die Forschung und sie umriss das Problem vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen: Forschung habe mit Dingen zu tun, die man nicht kennt und daher nicht vorhersehen kann. "Deswegen ist es so schwer, im Moment schon ethische Grenzen zu ziehen." Aber die Kirchen, die Philosophen und Moralisten wollten diese Grenzen schon vorher aufzeigen - besonders bei der Forschung an befruchteten Eizellen und Stammzellen. Frau Schipanski bekannte sich zu dem Grundsatz: Die Forschung soll dort, wo sie zum Heilen von Krankheiten genutzt wird, nicht durch vorher gesetzte ethische Grenzen verboten werden. Doch die Schülerantworten hielten sich im Rahmen der bekannten Argumente. Ihr Fazit: "Wir haben zu wenig Fachwissen, um die Grenzen ziehen zu können.

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