Gesundheit : Junior-Professur: Gebührenverbot nun doch im HRG

Heiko Schwarzburger

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will die Hochschulreform beschleunigen und den Ländern die Erst-Ausstattung von 3000 neuen Junior-Professuren finanzieren. Einen entsprechenden Vorschlag hat Bulmahn den Wissenschaftsministern der Länder am 22. Januar bei einem Treffen in Berlin gemacht. Auf den Junior-Professuren sollen Nachwuchswissenschaftler an deutschen Hochschulen künftig eigenständig forschen und lehren.

Zugleich bekam die Ministerin vom SPD-Präsidium einstimmig Rückendeckung für ihren Plan, Studiengebührenfreiheit jetzt durch eine Novelle des Hochschulrahmengesetzes bundesweit zu garantieren, nachdem der zunächst angestrebte Länder-Staatsvertrag am Widerstand der Unions-Ministerpräsidenten gescheitert ist. Der Entwurf für die Novelle soll bis Jahresende vorliegen und Studiengebühren bis zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss ausschließen. Dies soll auch für die neuen, aufeinander aufbauenden Bachelor- und Masterstudiengänge gelten.

Bulmahn sagte, die Studenten wie ihre Eltern benötigten Planungssicherheit bei der Studienfinanzierung. "Wir können die Familien nicht mit mehr Kindergeld finanziell entlasten, ihnen gleichzeitig aber bei der Studienfinanzierung neue Kosten aufbürden", sagte Bulmahn der dpa. Der Bund werde mit der Gesetzes-Novelle den Rahmen vorgeben. Die Einzelheiten müssten die Länder regeln. Wie SPD-Generalsekretär Franz Müntefering versicherte, haben die SPD-Ministerpräsidenten den Beschluss des Präsidiums mitgetragen.

Bei dem angestrebten neuen Hochschullehrerdienstrecht und der stärker leistungsorientierten Professorenbesoldung haben sich Bund und Länder nach Teilnehmerberichten weiter angenähert. Details zur Besoldung wie zur Förderung des Nachwuchses sollen noch geklärt werden.

Wie Bulmahn erläuterte, will sie mit dem Ausstattungsangebot die Einführung von Junior-Professuren für die Nachwuchs-Wissenschaftler beschleunigen. Viele fürchteten für die Übergangsphase ein "Zwei-Klassen-System" an den Hochschulen, weil für die neuen Stellen keine oder nur eine unzureichende Ausstattung mit Forschungsgeräten zur Verfügung stehe. Dabei könne der Bund mit zusätzlichen Mitteln helfen. Das Programm könne bereits 2002 starten und in den ersten drei Jahren jeweils 1000 Nachwuchsforschern ein Jahr lang die Grundausstattung garantieren.

Auch der Wissenschaftsrat unterstützt entgegen seines früheren Votums nun Bulmahns Absicht, die bisherige Habilitation künftig gänzlich durch eine Junior-Professur als Einstiegsvoraussetzung für den Professorenberuf zu ersetzen. Die Habilitation trage nicht zur Realisierung der Reformziele bei, sagte der scheidende Wissenschaftsrats-Vorsitzende Winfried Schulze bei der Vorstellung eines Beschlusses. Angesichts der Entwicklung im Ausland brauche Deutschland ein gleichwertiges und international anschlussfähiges Verfahren für die Nachwuchsförderung.

Nachwuchsprofessoren werden bis zum Alter von 35 Jahren berufen. Sie sind den übrigen Professoren im Wesentlichen gleichgestellt. Ihre Lehrstühle sollen zur Grundausstattung der Fakultäten gehören. Voraussetzungen für eine Berufung sollen eine hervorragende Promotion, Lehrerfahrung und zusätzliche wissenschaftliche Meriten sein, beispielsweise Publikationen oder Patente. Um so früh Professor zu werden, muss ein Nachwuchsforscher seine Heimatuniversität verlassen, entweder schon bei der ersten Berufung oder nach Ablauf des auf fünf Jahre begrenzten Vertrages. Die Habilitation soll nach Auffassung der Gutachter dann gänzlich entfallen.

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