Gesundheit : Juniorprofessuren nicht politisieren Was beim neuen Berliner Hochschulgesetz falsch läuft

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Gebetsmühlenartig erklären Berliner Politiker, dass die Hochschulen ein Trumpf im Wettbewerb der Standorte seien. Gleichzeitig fügen sie ihnen laufend Schaden zu. Das geschieht nicht nur durch finanzielle Einschnitte, sondern auch – wie jetzt geplant – durch besonders unsinnige gesetzliche Regelungen. Was als achte Änderung zum Berliner Hochschulgesetz von den Fraktionen der Regierungsparteien geplant ist, dürfte an Unsinnigkeit kaum zu überbieten sein.

Neben nivellierenden Bestimmungen, an die man sich in Berlin ja gewöhnt hat, wie die, dass ein Zugang zur Promotion von Absolventen von Fachhochschulen nicht an den Erwerb eines universitären Abschlusses gekoppelt werden darf, gibt es noch ganz andere Kaliber. Dem Zug der Zeit entsprechend, Titel durch extensive Großzügigkeit unters Volk zu bringen, können Juniorprofessoren, auch wenn sie bereits nach drei Jahren wieder aus dem Hochschuldienst ausscheiden, die Bezeichnung „Professor“ weiter führen. Zwar muss ihre Bewährung festgestellt werden. Wer aber die Praxis mancher akademischer Gremien kennt, erahnt, welche Möglichkeit hiermit eröffnet wird, „Trostpflaster“ zu verteilen. Jemandem wird die Bewährung attestiert, wenn er freiwillig geht. Dafür bleibt der Titel.

Der wesentliche „Hammer“ liegt in der rechtlichen Gleichstellung der Juniorprofessoren mit den Professoren. Getragen werden solche Regelungen von dem Bemühen, den Status der Professoren möglichst vielen zu verschaffen. Das soll der verhassten Gruppe der Ordinarien ihre Privilegien nehmen (und sie anderen einräumen). Dass dies in Berlin bereits mehrfach geschehen ist, kümmert die Initiatoren nicht. Im Übrigen erweisen sie den Juniorprofessoren einen Bärendienst. Die korporationsrechtliche Gleichstellung bedeutet auch, zeitlich aufwendige Pflichten wie die Ämter als Direktoren von Instituten oder als Dekan zu übernehmen. Juniorprofessuren sind eingerichtet worden, damit junge Nachwuchswissenschaftler sich – frei von einer professoralen Abhängigkeit – entfalten und wissenschaftlich qualifizieren können. Ferner hätten die Juniorprofessoren die Möglichkeit, bei Berufungen mitzuwirken, obwohl sie selbst die Voraussetzungen dafür noch nicht erfüllen. Die vorgesehen Regelungen dürften den vom Bundesverfassungsgericht entwickelten Grundsätzen widersprechen, welche für die Zulässigkeit der Gruppenuniversität vorausgesetzt werden. Die verlangte Homogenität der Gruppe der Professoren wäre nicht gegeben.

Der von den Fraktionen der SPD und PDS eingebrachte Entwurf wird an fehlendem hochschulpolitischen Sachverstand noch der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen „getoppt“. Hier wird – im Geheimen – nichts anderes angestrebt als das politische Mandat der „Studierendenschaft“, wie es bei den Alternativen gerne heißt. Die Formulierung im Gesetzentwurf ist so gefasst, dass man sicher sein kann: Die Handhabung wird zu dauernden Auseinandersetzungen innerhalb der Hochschulen führen. 1968 lässt grüßen.

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