Gesundheit : Kämpferisch bis zur Abschlussrede

Uwe Schlicht

Mit Hans-Jürgen Ewers, dem langjährigen Präsidenten der Technischen Universität, verliert Berlin einen eloquenten Vertreter in der Hochschulpolitik. Ewers, der am 18. Januar dem neuen Wissenschaftssenator sein Rücktrittsschreiben übergeben hatte, scheute nie davor zurück, unpopuläre Forderungen an die Politiker wie an die Hochschulangehörigen zu stellen. Als Vertreter einer neoliberalen Wirtschafts- und Hochschulpolitik entsprach es seiner Überzeugung, dass sich der Staat möglichst radikal aus einer Detailsteuerung der Hochschulen zurückziehen sollte, weil die Wissenschaftler selbst am besten wüssten, wie sie auf die aktuellen Herausforderungen in Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft reagieren sollen.

Die schmerzhaften Spareinschnitte, die der Technischen Universität eine Reduzierung von 540 auf 320 Professuren aufzwangen, hat Ewers mit einem radikalen Reformprogramm beantwortet. Er war entschlossen, selbst mit nur einer Stimme Mehrheit, die er im Jahr 1997 erhielt, sein Programm möglichst ohne verwässernde Kompromisse umzusetzen. Die einst in 20 Fachbereiche zersplitterte TU wurde schrittweise neu gegliedert: erst in 15 Fachbereiche und unter Ewers in acht Fakultäten. Aber die revolutionäre Idee, in den Fakultäten die Naturwissenschaften mit den Ingenieurwissenschaften zu verklammern, konnte Ewers nicht durchsetzen. Von daher versuchte er die Neuordnung quer zu den Fächern und Fakultäten in den Forschungszentren einzuleiten. Centers of Excellence waren Ewers Ziel, um die Technische Universität, die im Wettbewerb der besten technischen Hochschulen zurückgefallen war, wieder an den Spitzenplatz in Deutschland zurückzuführen. Damit die Leistungen zum eigentlichen Maßstab der Bewertung wurden, hat Ewers sich für die Budgetierung eingesetzt - das heißt, die Fakultäten dürfen über die Verteilung der Sach- und Personalmittel selbst entscheiden. Die nächsten Reformschritte sollten in einer verbesserten Lehre folgen.

Selbst in seiner Rede auf dem Neujahrsempfang zeigte sich der gesundheitlich schwer angeschlagene TU-Präsident kämpferisch: Er geißelte die Umwandlung des FU-Klinikums Benjamin Franklin in ein städtisches Krankenhaus als inakzeptabel, als Verletzung der Hochschulverträge und ein verheerendes Signal für den Wissenschaftsstandort Berlin. "Berlin darf sich keinen Raubbau an den Wissenschaften erlauben, Wissenschaft und Politik müssen am gleichen Strang ziehen."

Der letzte Reformschritt, eine neue Hochschulverfassung zu formulieren, steht der TU noch bevor. Ewers will für die TU weiter streiten, aber nicht mehr als Präsident. Die TU hat sich entschlossen, die Neuwahl des Präsidenten schnell in die Wege zu leiten.

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