Gesundheit : Kaffeefahrt mit der Selbsthilfegruppe

FLORIAN URSCHEL

ist Erstsemester in Berlin – und Bachelorstudent Manchmal denken Studenten praktischer als man erwartet. In der Einführungsveranstaltung für Bachelorstudenten im Fach Deutsche Philologie meldet sich als Erstes eine Kommilitonin: „Wenn ich krank bin und nicht zum Seminar kann, wo schicke ich dann mein Attest hin?“

Die Dozentin im Hörsaal 1a der Freien Universität guckt ziemlich verdattert. Mit dieser Frage hat sie nicht gerechnet, nachdem sie gerade versucht hat, mir und siebzig anderen Erstsemestern das ganze bisherige Chaos des Bachelorstudiengangs begreiflich zu machen: Anmeldewirrwarr und unklare Lehrerausbildung. Jetzt hat sie sicher gedacht, es käme eine Frage wie: „Was sind Leistungspunkte?“ Aber nein. Um Leistung geht es meiner Kommilitonin erstmal nicht. Sondern ums Daheimbleiben.

Dabei hat der erste Tag der Orientierungswoche für Studienanfänger richtig Lust gemacht auf die Uni. Mir jedenfalls. Es war eine Mischung aus Kaffeefahrt und Selbsthilfegruppe. Erst haben wir alle kostenlos Brötchen mit Nutella und Wurst bekommen, dann gab es interessante Vorträge und Diskussionen mit Professoren und älteren Studenten. Sie handelten vom Studienfach Deutsch, vom Semesterticket, dass es bald nicht mehr geben soll und von der verkorksten Architektur des geisteswissenschaftlichen Gebäudes, das sehr zu Recht den Spitznamen „Rostlaube“ trägt.

Beim Infotreffen für alle Lehramtsstudenten hatten die Dozenten genug damit zu tun, sich einerseits ständig gegenseitig zu übertönen und andererseits dauernd das Mikro an jemanden weiterzureichen, der es auch nicht besser weiß: „Jetzt helfen Sie doch mal dem Studenten, Herr Kollege! Ihren spritzigen Monolog können Sie später halten.“ Aber, bitte, bitte nicht in meiner Vorlesung.

Florian Urschel (20) machte 2003 Abitur in Berlin und absolvierte dann seinen Zivildienst. Jetzt studiert er Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin – auf Lehramt.

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