Gesundheit : Kalenderblatt: 3200 Plätze zum Beten in der Spandauer Vorstadt

Ingo Bach

Heute vor 135 Jahren, am 5. September 1866, wurde die Neue Synagoge in Berlins Oranienburger Straße feierlich eröffnet, ein zehn Jahre andauernder Schöpfungsprozess war beendet. 1856 hatte die Jüdische Gemeinde in der preußischen Hauptstadt das Gelände gekauft, denn ein Synagogen-Neubau war angesichts der ständig anwachsenden Mitgliederzahl dringend geboten. Für die rund 25 000 Gemeindemitglieder reichte die alte Synagoge in der Heidereutergasse nicht mehr aus.

Der Standort war nicht unumstritten. Der Preußische König Wilhelm I. hatte Vorbehalte gegen die Ortswahl der Gemeinde und schlug zunächst Kreuzberg als Ort für die neue Synagoge vor, damals eine weit abgelegene Gegend. Doch der jüdische Gemeindevorstand setzte sich mit seiner Wahl in der Spandauer Vorstadt durch, lebten doch hier traditionell die meisten Berliner Juden.

Der Architekt Eduard Knoblauch, der schon das Jüdische Krankenhaus in der Auguststraße errichtet hatte, erhielt den Zuschlag, das Gotteshaus zu entwerfen. Knoblauch griff auf den orientalischen Baustil zurück und orientierte sich an der Alhambra in Grenada. Genial löste er das Problem, dass die Grundstücksachse im spitzen Winkel zur Straße verlief. Mithilfe einer zwölfeckigen Vorhalle kaschierte der Architekt den Richtungswechsel des Bauwerks, das er mit einer mehr als 50 Meter hohen Kuppel krönte.

1859 begannen die Bauarbeiten, nach dem Tode Knoblauchs 1865 setzte August Stüler sein Werk fort. Schließlich entstand eine riesige Synagoge, deren Hauptraum über 3200 Menschen Platz zum Beten bot. Damit war das Berliner Gotteshaus lange Zeit die größte Synagoge Europas. König Wilhelm I. hatte schon 1865 mit seiner Frau Augusta den Rohbau besichtigt, zur Einweihung war er nicht anwesend, dafür jedoch unter anderem Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben