Gesundheit : Kalenderblatt: Der erste Mord im Palast

Ingo Bach

Heute vor 1961 Jahren, am 24. Januar des Jahres 41 nach Christus, fiel in Rom der erste Imperator einem Mordanschlag zum Opfer. Kaiser Caligula, der dritte in der Reihe der Cäsaren, war erst im Jahre 37 auf den Thron gelangt, gerade einmal 25 Jahre alt. Er war der Sohn eines Neffen seines Vorgängers Tiberius, den der alternde, kinderlose Kaiser zu seinem Nachfolger ernannte. Die Römer überhäuften Caligula mit großen Erwartungen. Das Misstrauen und der Geiz des Tiberius waren endlich vorbei, ein junger Monarch sollte einen Neuanfang symbolisieren. Doch Caligula erwies sich als große Enttäuschung. Mit seinem ausschweifenden Lebenswandel, seinem krankhaften Verfolgungswahn, dem er immer mehr Adlige und Militärs opferte, und seiner Brutalität hatte er den Kredit und die Autorität des Kaiseramtes, den der erste Imperator Augustus knapp 30 Jahre zuvor mit viel Mühe aufgebaut hatte, binnen kurzem verspielt.

Schon im vierten Regierungsjahr, gegen Ende des Jahres 40, hatte der jugendliche Herrscher nahezu alle Anhänger verloren oder umgebracht. Selbst die Prätorianer, des Kaisers persönliche Schutztruppe, standen nicht mehr hinter ihm. Es waren zwei hohe Offiziere der Leibgarde, die diese letzte Konspiration gegen Caligula planten und ausführten. Dabei verließen sich die Verschwörer auf die Gewohnheit des Kaisers, sich mittags zurückzuziehen, um auszuruhen, zu speisen und ein Bad zu nehmen.

Der Anschlag sollte am 24. Januar 41 stattfinden, am letzten Tag der Palatinischen Spiele, benannt nach dem römischen Hügel, auf dem sich der Palast befand. Doch der Plan drohte zu scheitern. Denn Caligula zögerte die übliche Pause immer weiter hinaus. Er hatte keinen Hunger. Am Abend zuvor hatte er wieder einmal eines seiner ausschweifenden Bankette veranstaltet und litt an einer Magenverstimmung.

Den Verschwörern stand schon der Schweiß im Gesicht, als einige Senatoren eingriffen, die mit dem Kaiser auf der Tribüne saßen und in das Mordkomplott eingeweiht waren. Sie überredeten Caligula mit Engelszungen, sich doch eine Pause zu gönnen. Schließlich habe sich der Herr der Welt in seinem schweren Amte doch Entspannung verdient.

Endlich zog sich der Kaiser zurück, und in den engen Gängen des Palastes fielen die Mörder über ihn her. Und zeigten dabei eine brutale Entschlossenheit und grausamen Hass. Einer der Attentäter hieb dem Kaiser sein Schwert ins Genick, ein anderer stieß einen Dolch in seine Brust. Schmerzgekrümmt sank Caligula zu Boden, wo andere Verschwörer so lange zustachen, bis er starb. Einer soll ihm sogar sein Schwert in das Geschlechtsorgan gestoßen haben.

Caligula war der erste Kaiser Roms, der einem Anschlag zum Opfer fiel - aber nicht der letzte. Die Kaiser waren ebenso mit unumschränkter Macht ausgestattet, wie sie unter der ständigen Angst leben mussten, ermordet zu werden. Und oft spielte die Leibgarde des Imperators dabei eine entscheidende Rolle.

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