Gesundheit : Kalenderblatt: Die zäheren Zehntausend 1648: Der Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen Krieg

Ingo Bach

Heute vor 332 Jahren, am 24. und 25. Oktober 1648, ging mit einem Friedensschluss der Dreißigjährige Krieg zu Ende. Der Westfälische Friede beschloss das grausame Ringen von Protestanten und Katholiken um die Vormacht in Europa, das Millionen Menschen das Leben gekostet hatte.

Fast 10 000 Menschen hielten sich während des vierjährigen Verhandlungsmarathons in Westfalen auf - fein säuberlich nach den Konfessionen getrennt im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück. Zwar debattierten nur 34 offizielle Gesandte um ein Ergebnis, doch reisten die meisten von ihnen mit eigenen Hofstaaten an. Der französiche Botschafter zum Beispiel brachte 300 Leute mit, darunter seinen Leibkoch. Die Gastgeber stellte dies vor schwierige logistische Aufgaben. Die Botschafter logierten nicht etwa in Hotels (die es in der heutigen Form damals noch gar nicht gab), sondern beanspruchten Paläste oder Klosteranlagen an den Verhandlungsorten.

Umständliche Postwege

Vier Jahre dauerte es, bis sich die verschiedenen Interessen der konkurrierenden Mächte unter einen Hut zu bringen ließen. Diese lange Zeit war zum Teil auch dem damaligen System der Nachrichtenübermittlung geschuldet. Die Gesandten standen mit ihren Regierungen in ganz Europa nur auf dem Postwege in Kontakt. Jeder Verhandlungsschritt musste per Brief umständlich mit den jeweiligen Hauptstädten abgestimmt werden. Das dauerte oft Tage. In der Zwischenzeit ging der Krieg mit unverminderter Härte weiter, teilweise wurde er sogar noch gnadenloser geführt, ging es doch um eine günstigere Verhandlungsposition.

Das umfangreiche Vertragswerk schrieb im wesentlichen den Status Quo in Europa vor Beginn des Krieges fest. Es gab einige territoriale Veränderungen, so verlor Brandenburg Vorpommern an Schweden und das Habsburger Kaiserhaus musste den Elsass an Frankreich abtreten. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches verlor dazu auch einen Großteil seiner Macht an die deutschen Reichsfürsten. Diese konnten sogar eigene Bündnisse abschließen.

Die Gräben zwischen den Konfessionen wurden nicht beseitigt, sondern - im Gegenteil - noch festgeschrieben. Anhand der Einflusssphären des so genannten Normaljahres 1624 wurden die Gebiete von katholischer und protestantischer Macht geschieden. Selbst der Unterzeichnungsakt des Friedensvertrages wurde nach den Bekenntnissen getrennt. Am 24. Oktober 1648 setzten die katholischen Delegierten ihre Unterschrift in Münster unter das Papier, 24 Stunden später die protestantischen Vertreter in Osnabrück.

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