Gesundheit : Kalenderblatt: Ein Papst bat um Vergebung

Ingo Bach

Heute vor 480 Jahren, am 9. Januar 1522, wählte die katholische Kirche Hadrian VI. zum Papst - für lange Zeit den letzten Nichtitaliener in diesem Amt. Der nächste war erst der heutige Papst Johannes Paul II.. Hadrian VI., irrtümlich immer wieder als der letzte deutsche Papst bezeichnet, war eigentlich Holländer. Am 2. März 1459 als Sohn eines Zimmermanns in Utrecht geboren, sprach er aber Deutsch. Eine steile theologische Karriere machte ihn erst zum Erzieher des späteren Kaisers Karl V. und danach zum kaiserlichen Statthalter in Spanien. Schon früh fiel er als jemand auf, der den Reichtum der Kirche zu sinnvollen Zwecken nutzen wollte. So griff er als Theologieprofessor an der Universität von Leuwen tief in den prall gefüllten Topf der Kirche und gründete ein Kolleg für arme Studenten. Andererseits berief ihn der Kaiser zum obersten Inquisitor in einigen seiner Provinzen - kein Amt, das Milde als erste Charaktereigenschaft forderte.

Neben seiner nichtitalienischen Herkunft verbindet Hadrian VI. noch etwas mit dem heutigen Papst: Auch er bat um Vergebung für begangene Sünden der Kirche. Anlass dafür war die ausschweifende Amtsführung seines Vorgängers Leo X. aus dem Hause Medici. Doch Hadrians Schuldeingeständnis reichte weiter. In einer Botschaft an den Reichstag in Nürnberg am 25. November 1522 bekannte er, "Missbräuche in geistlichen Dingen, Übertretungen der Gebote", ja, dass alles sich zum Ärgeren verkehrt habe. So ist es nicht verwunderlich, dass die Krankheit sich von den Päpsten auf die Prälaten verpflanzt habe.

Hadrian übernahm sein Amt in einer für die Kirche schwierigen Zeit. Die Reformation kündigte sich an, und damit zunehmende Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche. Um den Reformdruck abzumildern und Martin Luthers Kirchenkritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, begann der Papst ein umfangreiches Reformwerk. Doch er hatte nicht genug Zeit, etwas auszurichten. Denn schon knapp anderthalb Jahre später, am 14. September 1523, starb der 64-Jährige überraschend. Immer wieder wurde danach über einen Giftmord getuschelt. Angeblich war Hadrian dem Gift des Eisenhuts zum Opfer gefallen. Doch bewiesen werden konnte diese Behauptung nie.

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