Gesundheit : Kalenderblatt: Ein Störfaktor für die Entspannung

Ingo Bach

Heute vor 31 Jahren, am 26. März 1970, begann in Berlin ein Verhandlungsmarathon zwischen den Botschaftern der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, der den Status West-Berlins endgültig regeln sollte. An seinem Ende stand das Viermächteabkommen, das nicht nur ein weltpolitisches Vertragswerk war, sondern für die West-Berliner eine ganz konkrete Erleichterung ihres täglichen Lebens mit sich brachte: die Transitregelung.

In den Jahren zuvor war West-Berlin immer wieder Auslöser von Konflikten zwischen den Blöcken. Besonders der ungeklärte Status der Stadt - die Westmächte betonten ihre Zugehörigkeit zur Bundesrepublik, die Sowjetunion dagegen wollte die Bundespräsenz in der Stadt zurückdrängen - führte zu ständigen Reibereien. Die WestBerliner sahen sich immer neuen Schikanen durch die DDR-Regierung ausgesetzt: So führte die Ost-Berliner Regierung 1968 einen Pass- und Visumszwang für Bürger West-Berlins und der Bundesrepublik ein. Westliche Unternehmer, die für Transporte in die Stadt die Wasser- und Landstraßen der DDR benutzten, mussten Sonderabgaben entrichten. Bonner Regierungsbeamten war die Durchreise durch die DDR sogar verboten.

West-Berlin entwickelte sich zu einem Störfaktor für die auch von der Sowjetunion gewünschte Entspannung. So wuchs auf beiden Seiten die Bereitschaft, sich über den Status von West-Berlin zu einigen.

Am 26. März trafen sich die vier Botschafter - Kenneth Rush (USA), Jean Sauvagnargues (Frankreich), Roger Jackling (Großbritannien) und Pjotr Abrassimow (Sowjetunion) - zum ersten Mal im ehemaligen Sitz des Alliierten Kontrollrates in Berlin-Schöneberg. Sie sollten sich in der Folgezeit noch öfter sehen. Konferenzrunde auf Konferenzrunde folgte, doch greifbare Ergebnisse blieben aus. Besonders die Sowjetunion zierte sich, die Zufahrtswege nach West-Berlin unter der alliierten Kontrolle zu belassen. Und so wurden die Meldungen über die neuen Runden in den Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen immer knapper.

Erst nach über 17 Monaten und insgesamt knapp 152 Konferenzstunden der Botschafter stand das Abkommen endlich. Die Sowjetunion sicherte den uneingeschränkten Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin zu. Die Erleichterung auf beiden Seiten, endlich zu einem Ergebnis gekommen zu sein, wird besonders in diesen Worten des russischen Botschafters Pjotr Abrassimow deutlich, die er nach der Unterzeichnung des Viermächteabkommens am 3. September 1971 sagte: "Was lange währt, wird gut."

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