Gesundheit : Kalenderblatt: Goldrausch

Ingo Bach

Heute vor 104 Jahren, am 17. Juli 1897, brach in Nordamerika der letzte große, knapp zehn Jahre andauernde Goldrausch los. Es begann mit einer Schlagzeile der in Seattle erscheinenden Zeitung "Seattle Post Intelligencer": Um drei Uhr morgens war dort das Dampfschiff S.S. Portland eingelaufen "mit 68 Passagieren und einer Tonne Gold an Bord." Das Gold stammte vom Fluss Klondike im westkanadischen Yukon-Territorium. Beim Nachwiegen der kostbaren Fracht stellte sich heraus, dass es sogar zwei Tonnen des Edelmetalls waren, das den 68 Passagieren gehörte. Sie hatten ihren Fund in knapp einem Jahr aus dem Flussand des Yukon gewaschen.

Die Wirkung war enorm: Bis zum Mittag des selben Tages waren sämtliche Plätze auf dem zurück nach Norden schippernden Dampfer ausgebucht - mit goldgierigen Abenteurern. Dann setzte ein Ansturm ungeahnten Ausmaßes ein: Tausende Goldgräber starteten an den Klondike. Darunter viele ehrbare Bürger, Polizisten, Ärzte, Lehrer, Feuerwehrleute. Selbst der Bürgermeister von Seattle, W. D. Wood, schmiss seinen Job hin und folgte dem Gold.

Am Ufer des Klondike entstand aus dem nichts eine Stadt, die binnen kurzem 35 000 Einwohner zählte, mit Saloons, einem Casino und sogar einem Theater - Dawson City. Die Goldsucher erlebten hier eine grausige Zeit. Gesetzlosigkeit und ein eiskaltes Klima versetzten vielen einen Schock. Der Schriftsteller Jack London setzte dem Goldrausch mit seinen ebenso abenteuerliche wie düsteren Geschichten ein literarisches Denkmal.

Seattle, bis dato von einer massiven Wirtschaftsdepression geplagt, sah sich durch das Goldfieber plötzlich im ökonomischen Paradies, denn die Goldwäscher statteten sich hier mit ihrer Ausrüstung aus, kauften ihren Proviant und legten hier ihr Gold an. Die Stadtväter feierten Seattle frenetisch als "Tor des Klondikes", der doch hunderte Meilen im Norden lag. Doch von hier aus war die Nachricht um die Welt gegangen: Gold, Gold, Gold.

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