Gesundheit : Kalenderblatt: Hitlers Architekt für "Germania"

Ingo Bach

Heute vor 65 Jahren, am 30. Januar 1937, ernannte Hitler seinen Leibarchitekten Albert Speer zum "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin". Das war nicht nur ein imposanter Titel für Speer, sondern gleichzeitig eine eigene Behörde, die dem "Führer" direkt unterstellt war.

Speer hatte zuvor schon die gigantischen Kulissen von Hitlers Reichsparteitagen in Nürnberg bauen dürfen. Nun also das ultimative Projekt: Berlin sollte "Germania" werden, "die tausendjährige Hauptstadt eines tausendjährigen Volkes", so hieß es in Hitlers Auftrag an den Generalbauinspektor. Dabei sollten die Bedürfnisse der Jahre 1937 oder 1940 ausdrücklich keine Rolle spielen. Berlins Wohnungs- und Verkehrsprobleme interessierten den Dikator nicht. Er wollte eine Repräsentationsarchitektur, die die Deutschen ebenso wie Staatsgäste und Vertreter unterworfener Völker überwältigen sollte: Triumphstraßen, Kuppelhallen und Repräsentationsbauten. Die gewachsene Stadtlandschaft stand dem nur im Weg.

Speers Behörde kannte keine Autorität außer dem Diktator selbst. Diese bürokratische Neuschöpfung entsprach Hitlers Regierungsverständnis. Wenn einem die staatlichen Strukturen zu langsam waren oder er deren Arbeit nicht durchschaute, gründet man für ein einzelnes Projekt einfach eine neue Behörde. Er wollte nicht komplizierte, kommunalpolitische Entscheidungsprozesse abwarten - und in deren Verlauf vielleicht sogar Kompromisslösungen hinnehmen müssen -, um seine Vision einer germanischen Welthauptstadt umzusetzen.

Speer ging sogleich ans Werk, ließ Schneisen durch Berlin schlagen: Der westliche Teil der Ost-West-Achse hin zum Großen Stern wurde noch vollendet. Doch Hitlers Krieg machte den Plan, "Germania" bis 1950 aufzubauen, zunichte.

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