Gesundheit : Kalenderblatt: Mit Bestechung auf den deutschen Thron

Ingo Bach

Heute vor 481 Jahren, am 23. Oktober 1520, wurde Karl V. in Aachen zum deutschen König gekrönt. Der erst 20-jährige Habsburger hatte die Königswahl ein Jahr zuvor für sich entschieden - durch Bestechung. Das Geld kam vor allem von den Fuggern, dem mächtigen Geld- und Handelshaus. Doch Karl hatte noch einen anderen Trumpf: die nationale Karte. Der Habsburger, der als "edles deutsches Blut" gefeiert wurde, wolle die Freiheit der deutschen Fürsten vor französischer Vorherrschaft bewahren - gemeint war damit sein schärfster Konkurrent um die deutsche Krone, König Franz I. von Frankreich.

Mit der Krönung ließ sich Karl zunächst Zeit, doch vom Juni 1520 an machte er Druck. Die sonst renitenten Fürsten gehorchten - Zeichen der damaligen Machtverteilung. Die Habsburger waren zu einem Machtfaktor aufgestiegen. Und Karl V. war es, der später als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation eine universelle Macht über die europäischen Herrscher beanspruchte.

Zunächst gab es Streit um den Krönungsort. In Aachen, der alten Krönungsstadt, wütete die Pest. Die Fürsten hatten Angst und schlugen Köln als Ausweichort vor. Doch Aachen wollte sich die traditionelle Ehre nicht nehmen lassen und stimmte den König um: Wenn die Wahl nicht an der Stelle stattfinde, an der schon Karl der Große gekrönt worden war, könnte das dem Herrschaftsanspruch Karls V. schaden. Also bekam Aachen den Vorzug, doch der Pest wegen verkürzte man das Zeremoniell.

Der 23. Oktober war ein sonniger Herbsttag. Karl hatte ein volles Programm: Schon in den frühen Morgenstunden schlug er 2000 Gefolgsleute zu Rittern, um 11 Uhr zelebrierte der Mainzer Erzbischof die Krönungsmesse am Aachener Marienaltar, dem sich das traditionelle, nach strengem Zeremoniell ablaufende Krönungsmahl mit den Kurfürsten anschloss. Erst gegen 16 Uhr ging das Mahl zu Ende, erschöpft zog sich der König danach zurück. Doch das Volk feierte weiter.

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