Gesundheit : Kalenderblatt: Mit Devisenspekulationen in den Bank-Konkurs

Ingo Bach

Heute vor 27 Jahren, am 26. Juni 1974, erschütterte eine Pleite das Bankensystem der Bundesrepublik. Wegen Überschuldung verbot das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen der Kölner Privatbank Herstatt die Fortführung der Geschäfte. Noch am selben Tag schloss Herstatt seine Schalter. Die Einlagen von 52 000 Kunden waren betroffen, darunter auch die der Städte Köln und Bonn, die mit 190 Millionen bzw. 12,2 Millionen Mark auf der Gläubigerliste standen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Kreditinstitut durch riskante Devisengeschäfte Schulden von 1,2 Milliarden Mark angehäuft, was allerdings erst langsam bekannt wurde. Noch im Juni ging der Pleite-Bankier Iwan D. Herstatt von einem Verlust von 64 Millionen Mark aus, den seine "Goldjungs" aus der Devisenabteilung verursacht hatten. Diesen Mitarbeitern hatte Herstatt völlig freie Hand gelassen, weil sie mit dem steigenden Dollar zunächst große Gewinne einfuhren. Doch dann war ihnen das Gespür für gute Gelegenheiten verloren gegangen. Sie setzten wegen der Erdölkrise auf weiter steigende Dollarkurse, doch der Kurs fiel statt dessen. Und da die Bank bereits Dollar in Höhe von acht Milliarden Mark gebunkert hatte, bedeutete eine Kursschwankung von nur einem Prozent bereits einen Verlust von 80 Millionen Mark. Die Privatbank konnte das nicht verkraften.

Einen Monat nach dem Crash erhielten 35 000 besonders hart betroffene Herstatt-Kunden ihr Geld aus dem so genannten "Feuerwehrfonds" der deutschen Banken zurück. Auch Bankchef Iwan D. Herstatt stellte dafür aus seinem Privatvermögen 30 Millionen Mark bereit. Darüber hinaus sahen die Gerichte bei Herstatt eine strafrechtliche Verantwortung. Nach jahrelangen Prozessen wurde der Bankier wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Der Zusammenbruch der Kölner Bank löste eine massive Vertrauenskrise der Sparer aus, die noch andere deutsche Bankhäuser in Mitleidenschaft zog. Nur mühsam konnte dieses Vertrauen mit verschärften Vorschriften zur Einlagesicherung wieder zurückgewonnen werden.

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