Gesundheit : Kalenderblatt: Rote gegen weiße Rosen

Ingo Bach

Heute vor 546 Jahren, am 22. Mai 1455, begann in England ein Bürgerkrieg, der unter dem euphemistischen Namen "Rosenkriege" den Hochadel des Königreiches nahezu auslöschte. Rosenkriege deshalb, weil die beiden großen Patrizierhäuser, die um den Thron kämpften, Rosen in ihren Wappen führten: das Haus York eine rote, Lancaster eine weiße.

Eigentlich regierten die Lancaster. Doch das Oberhaupt der Dynastie, König Heinrich VI. (1422-1461), war geistesgestört und unfähig, das Land zu regieren. In dieser Situation zettelte sein Cousin, Herzog Richard von York, einen Aufstand an, um die Krone in seine Hand zu bringen. Am 22. Mai trafen die Heere der Widersacher bei St. Albans, rund 32 Kilometer nördlich von London, das erste Mal aufeinander. Nach nur einer Stunde war die Schlacht entschieden - für Richard. Er nahm den König gefangen und sicherte so für nahezu ein Jahr die Vorherrschaft der York-Familie. Doch der Kampf war damit nicht beendet. Die Lancaster, an ihrer Spitze Heinrichs Ehefrau, Königin Margaret, gaben keine Ruhe und bauten sich eine neue Machtposition auf. Ab 1459 schlugen die Familien wieder aufeinander ein.

Die Rosenkriege waren kaum ein Bürgerkrieg im üblichen Sinne, denn die Bürger und Bauern nahmen von dem ständigen Kämpfen kaum Notiz. Selten genug in der Weltgeschichte, aber hier bluteten zum großen Teil genau die, die den Krieg ausgelöst hatten. Schlachten und Hinrichtungen dezimierten die Familien. Nach 30 Jahren war auf beiden Seiten fast niemand mehr übrig - eine neue Dynastie nahm das Schicksal Englands in die Hand: die Tudors. Heinrich Tudor, der mütterlicherseits von den Lancaster abstammte, stieß in das Machtvakuum und eroberte als Heinrich VII. 1485 die englische Krone. Für England durchaus ein Gewinn. Die Tudors brachten solche Herrscher hervor wie Heinrich VIII. (1509-1547), der die englische Kirche von der Papstkirche abkoppelte, und Elisabeth I. (1558-1603), die das Empire begründete.

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