Kampagnen gegen Magersucht : Sinn oder Unsinn?

Gegen den Schlankheitswahn ist noch kein Kraut gewachsen. Bilder und Filme, die drastische Bilder von ausgemergelten jungen Frauen zeigen, sollen im Kampf gegen die Magersucht helfen. Doch was bringen diese Kampagnen wirklich?

Susanna Gotsch
Food Victims
Magersuchtkampagne: Dieses Bild ist Teil der Kampagne Foodvictims. Es zeigt die Hand einer magersüchtigen Frau. -Foto: Daniela Kühne

     Gesundheitsexperten und Psychiater schlugen Alarm. Die Bilder könnten zur Nachahmung animieren und hätten auf Magersüchtige eine andere Wirkung als auf Gesunde. Die Aktion fand aber auch jede Menge Befürworter, unter ihnen viele Modeschöpfer.

   Die junge Frau, die Toscani fotografierte, ist die französische Schauspielerin Isabelle Caro. So äußerte sich zu der Kampagne: "Ich weiß, dass mein Körper abstößt. Aber die physischen und psychischen Leiden, die ich durchgestanden habe, geben nur einen Sinn, wenn sie denen helfen, die in die Falle geraten sind, aus der ich mich zu befreien versuche.“



Eine ähnlich Aufsehen erregende Kampagne finanzierte die Schwedische Organisation gegen Magersucht und Bulimie. Das Ergebnis war ein Video, in dem eine abgemagerte junge Frau ihren Körper im Spiegel betrachtet. Dabei kommen ihr die Tränen, denn sie sieht sich als zu dick. Sie betastet ihren Bauch, ihre Beine. Je länger sie tastet und sich betrachtet, desto verzweifelter wird sie. Die Kamera fährt zurück und zeigt die junge Frau, die vor dem Spiegel steht: sie ist völlig abgemagert. Diese Kampagne ist Teil einer ganz realen psychologischen Therapie, an dem die junge Frau aus dem Spot teilnahm.

Claudi Engel, Pressesprecherin der Münchner Beratungsstelle für Essstörungen ANAD e.V., findet Kampagnen gegen den Schlankheitswahn sinnvoll. Für dieses Thema müsse noch viel mehr sensibilisiert werden. “Wer mit Magersucht nicht konfrontiert wird, macht sich auch keine Gedanken darüber”, so Engel. Je mehr die Thematik in die Öffentlichkeit rückt, desto mehr werden darauf aufmerksam. Viele wissen gar nicht, dass Menschen an den Folgen von Essstörungen sterben - 15 Prozent der Magersüchtigen hungern sich regelrecht zu Tode. Wie notwendig Kampagnen im Kampf gegen Krankheiten sind, zeigt sich für Claudi Engel am Beispiel Aids: “In letzter Zeit wurden die Kampagnen extrem heruntergefahren, die Zahlen der Erkrankungen hingegen sind gestiegen…”.

Aktion "Leben hat Gewicht"

Auch Politikerinnen wollen gegen den Schlankheitswahn ankämpfen. Annette Schavan, Ursula von der Leyen und Ulla Schmidt riefen die Kampagne "Leben hat Gewicht" ins Leben, um damit mehr für das Thema Essstörungen sensibilisieren. Unterstützung im Kampf gegen "überzogene Schönheits- und Schlankheitsideale" erhalten die drei Ministerinnen von Sängerin Jeanette Biedermann, Designerin Jette Joop und Alice Schwarzer, der Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma.  

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