Gesundheit : Kanada interessiert am "Thermonuklearen Experimentalreaktor"

tdp

Die kanadische Regierung hat ihr Interesse daran bekundet, dass der von der Staatengemeinschaft geplante Fusionsreaktor "Iter" in Kanada errichtet wird. Mit dem Testreaktor soll demonstriert werden, dass es möglich ist, aus der Verschmelzung von Atomkernen in ähnlicher Weise Energie zu gewinnen, wie dies im Innern der Sonne geschieht. Neben Kanada wollen sich die Europäer, Japan und die Russische Föderation am Bau des "Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktors" (Iter) beteiligen.

In der Pilotanlage soll ein extrem dünner Brennstoff aus den beiden Wasserstoffarten Deuterium und Tritium für eine Viertelstunde gezündet werden. Dazu muss der Brennstoff von Magnetfeldern zusammengehalten und auf rund 100 Millionen Grad erhitzt werden. In seiner inzwischen deutlich abgespeckten Version soll Iter eine Fusionsleistung von 500 Megawatt erreichen. Die Anlage wird nach Ansicht der Forscher zehnmal mehr Energie liefern, als an Heizleistung für sie aufgewendet wird.

Die Kosten für den Bau des Testreaktors belaufen sich auf sechs bis sieben Milliarden Mark. Wo die Anlage errichtet wird, steht noch nicht fest. Klar ist jedoch, dass das Gastgeberland einen beachtlichen Teil der Kosten wird tragen müssen.

Die kanadische Projektgruppe gab nun bekannt, Kanada könne möglicherweise bis zu 25 Prozent der Baukosten beitragen sowie 10 bis 20 Prozent der Betriebskosten übernehmen. Da die kanadische Gesetzgebung Fusionsanlagen bereits berücksichtige, sei die Genehmigung für Iter ohne großen Aufwand möglich.

Der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Alexander Bradshaw, räumt der kanadischen Bewerbung gute Chancen ein. Allerdings würde vermutlich auch Japan bis Mitte nächsten Jahres einen Standortvorschlag machen. Japan verfolgt ein sehr ehrgeiziges Fusionsprogramm und ist unter Umständen bereit, einen größeren Teil der Baukosten zu tragen als Kanada.

Es gibt auch einen Vorschlag, den Testreaktor in Mecklenburg-Vorpommern zu bauen. Dafür setzt sich unter anderem der dortige Iter-Förderverein ein. Aber es gilt als sehr unsicher, ob ein solcher Vorschlag die Unterstützung der jetzigen Bundesregierung bekommen könnte. Wegen der politischen und rechtlichen Situation hierzulande würden wohl auch die europäischen Partner einen deutschen Standortvorschlag kaum begrüßen.

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