Gesundheit : Katalysator-Forscher hoffen auf Reaktionen Adlershofer Chemie-Institut

von Schließung bedroht

Gideon Heimann

Katalysatoren sind die großen Helfer der Chemie: Sie machen manche Reaktion erst möglich, andere werden beschleunigt, was Energie und Rohstoffe spart. Auch in Berlin gibt es Forschungseinrichtungen, die sich mit diesem Thema befassen, in enger Zusammenarbeit mit der Industrie. Eines davon ist das Institut für Angewandte Chemie (ACA) in Adlershof. Doch da ein Teil der Fördermittel bedroht ist, befürchten die Adlershofer die Schließung. Am Freitag dieser Woche berät das Kuratorium des ACA über die Zukunft.

Dabei haben die rund 110 Mitarbeiter eine gute Perspektive: Sie sollen bis 2007 ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft werden. Wissenschaftler dieser Gemeinschaft wirken oft selbst als „Katalysatoren“, als Problemlöser für Unternehmen, die Entwicklungen aus eigenen Kräften gar nicht bewerkstelligen können. Der Schwerpunkt der Aufgaben für die Fraunhofer-Institute liegt also darin, Erkenntnisse der Grundlagenforschung in Richtung auf eine praktische Anwendbarkeit fortzuentwickeln.

Einen solchen Stand haben sich die Fachleute vom ACA bereits erarbeitet. Eine ihrer insgesamt neun Forschungsgruppen entwickelt neue Katalysatoren für die Automobilhersteller, für BMW, Daimer-Chrysler, Volvo und VW. Andere Gruppen sind im Auftrag von Chemieunternehmen tätig, etwa für die BASF, Bayer und die Degussa. Aber auch Spezialaufgaben etwa im Bereich der Abwasserreinigung haben die Adlershofer gelöst.

Immerhin verdient das Institut die Hälfte des jährlichen Gesamthaushalts von 9 Millionen Euro schon selbst. Das Geld kommt über Arbeiten für die Industrie, aber auch über Forschungsaufträge für Ministerien und öffentliche Einrichtungen herein. Das reicht für ein Fraunhofer-Institut allerdings noch nicht aus. Eine solche Einrichtung finanziert sich im Idealfall zu jeweils 40 Prozent aus industriellen und öffentlichen Aufträgen, 20 Prozent Grundförderung gibt es von der Gesellschaftszentrale aus München.

Um die Einnahmen aus der Forschungsdienstleistung zu erhöhen, sollen verstärkt auch kleine Unternehmen als Auftraggeber akquiriert werden, sagt Martin Penno, Sprecher des ACA. So werde es möglich sein, den Anteil der öffentlichen Zuschüsse jedes Jahr um etwa 15 Prozent zurückzufahren, bis die Fraunhofer-Messlatte erreicht ist.

Das Auftragspotenzial für Forscher ist vorhanden, sagt Penno. Er verweist auf 30 Mitarbeiter, die sich schon vor Jahren selbstständig machten und nun in der organischen Synthesechemie erfolgreich tätig sind. 1996/1997 hatte das ACA noch eine öffentliche Grundförderung von 30 Millionen Mark nötig, inzwischen sind es 5,2 Millionen Euro. Jeweils 2,6 Millionen stammen bislang von Land und Bund. Nun kommt offenbar der Anteil des Landes in Gefahr – aber gar nicht in voller Höhe. Berlin kann nämlich auf EU-Strukturhilfegeld zurückgreifen, das zwei Drittel dieser 2,6 Millionen einbringt. Es geht also maximal um etwa 860 000 Euro. Das ist der Betrag, der aus Landesmitteln fließen muss, um die EU-Mittel zu erhalten, rechnet Penno.

Beim Bundesforschungsministerium hieß es, man suche nach einer Lösung, doch sei hier vor allem das Land in der Pflicht. Bei der Berliner Wissenschaftsverwaltung wurde betont, die Finanzierungslage sei komplizierter als sie von den anderen Beteiligten geschildert werde. Genaueres wurde nicht genannt, da man den laufenden Verhandlungen nicht vorgreifen wolle.

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