Gesundheit : Kaum Chancengleichheit

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Von Ruth Ciesinger

Das deutsche Bildungssystem sitzt in der Ecke und schämt sich, trotzdem ist die Wirtschaft noch nicht untergegangen. Das liegt an der „jungen Elite“, sagt das Allensbach Institut; 131 dieser Männer und Frauen unter 39 Jahren hat das Institut im Auftrag der Unternehmensberatung McKinsey und „Capital“ nach deren bildungstechnischem Werdegang befragt. Die Betroffenen leiten ihr eigenes Unternehmen oder sind mindestens Abteilungsleiter in einem großen Betrieb.

Abgesehen davon, dass die „Wirtschaftselite“ – laut Allensbach – zwar zu 54 Prozent BWL studiert hat und 64 Prozent angeben, dass das Gelernte ihnen im Beruf nicht weitergeholfen habe, bezeichnet die große Mehrheit ihr Elternhaus als ausschlaggebend für Erfolg im Beruf. Die Schule rangiert dabei mit schlappen 21 Prozent auf dem dritten Platz. Dass offensichtlich die Familie wichtig für den Bildungsstandard der Heranwachsenden ist, bestätigt auch eine Online-Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey und stellt mit dem Ergebnis das sowieso schon herbe kritisierte Schulwesen weiter in Frage.

Von 170 000 Teilnehmern gaben über zwei Drittel der Eltern an, für die Bildung ihrer Kinder zusätzlich zu zahlen, vom Nachhilfeunterricht bis zur Sprachreise, einige sogar mehr als 100 Euro im Monat. Akademiker-Eltern legen darauf allerdings wesentlich mehr Wert als Väter und Mütter, die einen Hauptschul- oder Volksschulabschluss haben. Ihnen sind auch Lehrinhalte deutlich weniger wichtig. Nach den Umfrageergebnissen ist das deutsche Bildungswesen weit von einer Chancengleichheit entfernt. Am zufriedensten mit dem System sind die Bürger in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, ganz hinten stehen Bremen und Berlin.

„In Deutschland sind die Rahmenbedingungen für diejenigen, die etwas leisten wollen, deutlich schwieriger als in anderen Ländern“, resümiert Ulf Redanz von McKinsey. Er fordert mehr Kindergarten- und Krippenplätze, Förderung im Vorschulalter und eine stärkere Evaluierung nicht nur der Arbeit von Professoren, sondern auch der Lehrer. Für richtig hält Redanz eine kürzere Schulzeit. Wie schwächere Schüler gefördert werden können, dazu sagt er nichts.

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