Gesundheit : Kein Kinderspiel

UN verschiebt Entscheidung zum Klonverbot auf Herbst 2003

Bas Kast

Wenn es stimmt, was Dr. Severino Antinori Anfang April auf einer Klon-Konferenz in Abu Dhabi sagte, dann müsste es jetzt so weit sein. Die Geburt des ersten technisch kopierten Kindes stünde unmittelbar bevor – oder das geklonte Baby befindet sich sogar schon unter uns.

„Unser Projekt ist sehr weit fortgeschritten“, zitierte die Zeitung „Gulf News“ das enfant terrible der Reproduktionsmedizin damals. „Eine Frau unter den Tausenden von unfruchtbaren Paaren, die sich am Programm beteiligen, ist seit acht Wochen schwanger.“

Der Ferrari-Fahrer aus Rom ist nicht der einzige, der das Projekt „Copy Kid“ verfolgt. Neben dem US-Reproduktionsexperten Panos Zavos (Antinori: „Einer meiner besten Freunde“), ist da noch die Ufo-Sekte Raël, die mit Hilfe ihrer Firma „Clonaid“ zuallererst ihren Anführer kopieren möchte.

Um diesen Aktionen einen Riegel vorzuschieben, hatten Deutschland und Frankreich bereits im Jahr 2001 den Vorschlag gemacht, das „reproduktive Klonen“ international zu verbieten.

Letzte Woche tagte dazu der UN-Rechtsausschuss – und vertagte: Die Entscheidung über ein Klonverbot ist nun erstmal auf September 2003 verschoben. „Damit ist das Feld offen für diejenigen, die ein menschliches Klonbaby zur Welt bringen wollen“, beklagt Christian Much, der deutsche Vertreter bei den Vereinten Nationen.

Grund für die Vertagung ist ein Streit zwischen dem Vorschlag von Deutschland und Frankreich auf der einen Seite – und einer Alternativresolution der USA und von Spanien auf der anderen Seite.

Deutschland und Frankreich sprechen sich für einen Zwei-Stufen-Plan aus: Zuerst solle das „reproduktive Klonen“ international verboten werden. In einer zweiten Phase könne man dann auch über das „therapeutische Klonen“ diskutieren. Die USA und Spanien aber wollen jegliches Klonen ein- für allemal verbieten.

Much hält diese „Maximalforderung“ für „moralisch fragwürdig“. Besser sei es, Schritt für Schritt zu entscheiden, als gar nicht zu entscheiden, so der deutsche Delegierte. Dagegen meinte ein Kollege aus den USA: „Wir glauben fest daran, dass keine Entscheidung besser ist als eine schlechte Entscheidung.“

Reproduktives Klonen bedeutet: das Kopieren von Menschen im Sinne von Antinori & Co. In diesem Punkt sind sich die Länder einig: Es soll verboten werden. Das therapeutische Klonen unterscheidet sich vom reproduktiven in einem entscheidenden Punkt: Dabei soll kein Mensch kopiert werden. Ziel ist es, einen Embryo zu schaffen mit dem gleichen Erbgut des Patienten.

Dieser Embryo wird aber nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt. Stattdessen entnimmt man dem Embryo, der dazu etwa 200 Zellen groß werden muss, die Stammzellen. Der Embryo selbst wird daraufhin vernichtet.

Die Stammzellen besitzen nun das Erbgut des Patienten und können – in der Theorie – dazu benutzt werden, Ersatzgewebe für den Patienten zu züchten. Der Vorteil: Da das Gewebe vom eigenen Patienten ist, hätte man eine große Hürde in der Transplantationsmedizin überwunden: Es gäbe es keine Abstoßungsgefahr.

Viele Mediziner, darunter der prominente Klonforscher Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) im amerikanischen Cambridge befürworten deshalb das therapeutische Klonen, während auch sie das reproduktive Klonen ablehnen.

Andere empfinden auch das therapeutische Klonen als moralisch verwerflich. Das Problem, sagen sie, ist nicht nur, dass dabei ein Embryo gezielt vernichtet wird. Man brauche auch eine große Zahl von weiblichen Eizellen – die Frau würde damit zu einer „Rohstofflieferantin“ werden.

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