Gesundheit : Kein Platz für Mittelmaß an Berlins Unis Chancen nur für die besten Abiturienten

Anja Kühne

Wer ohne exzellentes Abitur in Berlin studieren will, wird in Zukunft kaum noch Chancen haben, einen Platz in seinem gewünschten Zweitfach zu bekommen. Das befürchtet jedenfalls die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. So könne etwa eine angehende Grundschullehrerin zwar auch in Zukunft trotz einer nur durchschnittlichen Abiturnote einen Platz in ihrem ersten Bachelor-Fach – etwa Sozialkunde – bekommen, denn zusätzlich zur Abiturnote müssen andere Auswahlkriterien eine Rolle spielen. Der Platz im Zweitfach – bei ihr eben der Grundschulpädagogik – würde von den Hochschulen aber ausschließlich auf der Basis der Abiturnote vergeben; die Freie Universität verfährt schon seit dem vergangenen Wintersemester so.

Lisa Paus, die wissenschaftspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, sieht neue Probleme auf die vielen durchschnittlichen Berliner Abiturienten zukommen. Die Bewerber müssten statt ihrer Wunschkombination ein weit unten auf ihrer Prioritätenliste stehendes Fach wählen – an dem sie mangels Neigung erheblich leichter scheitern könnten. Oder sie müssten Berlin verlassen. Das stellt aber für viele Landeskinder, besonders solche mit Migrationshintergrund, eine zu große Hürde für ein Studium dar, wie die Kritiker meinen. Sie werfen den Unis vor, mit dem alleinigen Kriterium des Abiturduchschnitts für das zweite Fach ihre Verwaltungsabläufe vereinfachen oder neue „Eliten“ bilden zu wollen.

Paus kritisiert den Entwurf zum neuen Hochschulzulassungsgesetz des Landes, den der Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses in der vergangenen Woche bereits beschlossen hat. Dort fehle eine Formulierung, wonach die Auswahlkriterien auch für das zweite Fach in den Bachelorstudiengängen gelten würden.

Bei der Studierendenauswahl werden die Universitäten für das Hauptfach die gleichen Regeln wie in Fächern mit bundesweitem NC anwenden. 20 Prozent der Plätze gehen an die Abiturbesten, die sich ihre Hochschule selbst aussuchen können, 20 Prozent werden nach Wartesemestern vergeben, 60 Prozent der Studierenden suchen sich die Hochschulen selbst aus. Dabei müssen die Unis zu 51 Prozent die Abiturnote berücksichtigen. In Berlin müssen die Hochschulen voraussichtlich zusätzlich noch mindestens ein weiteres Kriterium anwenden. Wenn sie Einzelnoten gewichten wollen, bestimmte Abiturfächer berücksichtigen oder Auswahlgespräche führen wollen, müssen sie noch jeweils ein drittes Kriterium hinzuziehen. Für das Auswahlverfahren dürfen die Hochschulen von den Bewerbern kein Geld nehmen. Für das folgende Aufnahmeverfahren dürfen sie nicht mehr als 25 Euro nehmen. Beim Master können die Hochschulen das Auswahlverfahren selbst regeln, bis es zu einer gesetzlichen Regelung kommt.

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