Gesundheit : Keine Angst vorm Test

Ein neuer Ratgeber erklärt Studienbewerbern, wie sie Hochschulauswahlverfahren bestehen

Claudia Horn

Studieren – aber was? Studieren – aber wo? Mit diesen Fragen müssen sich hochschulwillige Abiturienten immer intensiver auseinandersetzen. So können Universitäten in Deutschland seit einem Jahr in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen 60 Prozent der Studienplätze selbst vergeben – und dabei neben der Abiturnote zusätzliche hochschuleigene Auswahlverfahren einsetzen, um über ihre zukünftigen Studierenden zu entscheiden.

„Hochschul-Auswahltests erfolgreich bestehen“ lautet ein neuer Ratgeber von Dieter Herrmann und Angela Verse-Herrmann, der Studienwillige fit für die neuen Auswahlverfahren machen soll. Auf knapp 180 Seiten werden dort Tipps rund um Motivationsschreiben, Gespräche und Eignungstests gegeben, die inzwischen mehrere Universitäten einsetzen, um ihre Studenten auszuwählen. Ergänzt wird das Werk durch Informationen zu Studienfächern und Hochschulen, in denen Auswahlverfahren existieren oder vorgesehen sind.

Musterbriefe und Ratschläge für ein souveränes Auftreten im Gespräch mit den zukünftigen Dozenten sollen zeigen, wie Abiturienten an ihrer Wunschuni einen guten Eindruck machen – oder wie man sich von Anfang an gewaltige Minuspunkte einhandelt. So sollte das Motivationsschreiben nie länger als zweieinhalb Seiten sein. Beim Auswahlgespräch sollte die grellbunte Garderobe lieber zu Hause im Schrank hängen bleiben. Ein Katalog mit möglichen Fragen und Antworten im Auswahlgespräch soll helfen, sich auf die beiden wichtigsten abgefragten Themen vorzubereiten: „Warum möchte ich genau dieses Fach studieren?“ und: „Wieso ausgerechnet an dieser Uni?“.

Auf die Frage nach der Fächerwahl wird empfohlen, die Wortgruppe „gute Berufschancen nach dem Studium“ möglichst herunter zu schlucken. Denn wer soll schon wissen, wie die Situation in fünf Jahren aussieht? Auch Benimmregeln fehlen nicht: Einen Professor redet man nach Meinung der Autoren auch besser so an.

Das Buch räumt mit unbegründeten Ängsten auf. Brauchen Studienintersesiiert bereits vor Studienbeginn das entsprechende Fachwissen? Nein, sagen die Autoren. „Wichtiger ist eine gute Allgemeinbildung und ein breites Basiswissen. Die Detailkenntnisse werden im Studium vermittelt“, sagt ein Professor, der an der Universität Bonn Geographie lehrt. Auch Schachtelsätzen sollten Studienbewerber sollten abschwören: „Die Bewerber sollten üben, ruhig und in kurzen Sätzen zu antworten“, heißt es in dem Buch an einer anderen Stelle.

Dennoch bleibt für den Leser ein leichtes Gefühl der Verwirrung. Grundsätzlich sollte ein Studienbewerber immer ehrlich sein, sagen die Autoren einerseits. Andererseits sollte man bei der Begründung der Studienortwahl aber besser verschweigen, dass man gern bei Mutti wohnen bleiben möchte. Auf das Interview sollten sich Bewerber zwar gut vorbereiten – jedoch auf jeden Fall vermeiden, dass die Antworten einstudiert wirken. Während man bei der Begrüßung lieber abwarten soll, kann man die Verabschiedung ruhig als erster einleiten.

Ein Balanceakt auch, wie sich Studienbewerber im Auswahlgespräch vor ihren zukünftigen Professoren präsentieren sollten: Ihre Stärken sollten sie ruhig betonen – aber bitte, ohne anzugeben. Das Werk liefert für jede Situation die passende Reaktion – nur sollte man die vorgeschlagenen Reaktionen bloß nicht verwechseln. Die Gefahr, dass ein Stück der Natürlichkeit und Spontaneität verloren geht, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat oder der Bleistift für den Motivationsbrief gespitzt ist, ist vorprogrammiert.

Und auch bei der besten Vorbereitung ist wohl kein Bewerber gegen Überraschungsfragen der Dozenten gefeit. Auf die Frage, was er einen Bewerber im Gespräch fragen würde, antwortet ein Düsseldorfer Professor: „Ist der Bundeskanzler für Sie ein Vorbild?“ Da hilft dann auch der beste Ratgeber nicht weiter.

Dieter Herrmann, Angela Verse-Herrmann, Hochschul-Auswahltests erfolgreich bestehen. Das Trainingsprogramm für Universitäten und Fachhochschulen. Mit Mustertests und Lösungsaufgaben. Eichborn-Verlag 2006, 192 Seiten, 16 Euro 90, ISBN: 3-8218-5880-X

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