Gesundheit : Keine Chance für den „Lehrer light“

Wer in Berlin unterrichten will, braucht einen Master-Abschluss – aber den „Schulassistenten“ mit Bachelor schließt das neue Gesetz nicht aus

Anja Kühne

Das Lehramtsstudium zerfällt in Zukunft in zwei Teile: den Bachelor- und den Masterstudiengang. So steht es im Entwurf zum neuen Berliner Lehrerbildungsgesetz, auf den sich die Fraktionen von SPD und PDS jetzt nach langem Gerangel geeinigt haben. Mit dieser Zweistufigkeit eröffnet sich bald ein neuer Beruf: der des Schulassistenten. Wer aufs Lehramt studiert, soll mit dem Bachelorabschluss in der Tasche nach nur sechs Semestern den Lehrern in der Schule helfen können, etwa mit Förderkursen oder Arbeitsgemeinschaften. Will so ein Lehrassistent später ein „echter“ Lehrer werden, kann er seinen Master an der Uni machen – und sich das Referendariat sparen.

Im Entwurf zum neuen Lehrerbildungsgesetz wird der Schulassistent aber nicht erwähnt: Die Koalition legt Wert darauf, dass ein Bachelor-Absolvent nicht Lehrer sein kann. Das wäre ein „Lehrer light“, der nicht zu besserem Unterricht, sondern nur zum Sparen bei den Gehältern beitragen würde, wird argumentiert. Mit der gleichen Begründung war der Plan des Bildungssenators Klaus Böger (SPD) verhindert worden, alle Lehrer bis auf den Studienrat schon mit dem Bachelor in die Schule zu schicken. So ist der Schulassistent zwar von der Koalition erwünscht, hat aber mit dem Lehrergesetz direkt nichts zu tun. Er soll jedoch später in den Verordnungen erwähnt werden, wie Böger auf Anfrage erklärte.

Auch Böger hält den Schulassistenten inzwischen für eine „sinnvolle Konstruktion“. Zwar stünde er in Konkurrenz zu den Erziehern und Sozialpädagogen, die schon jetzt an Schulen als Unterrichtshilfen arbeiten. Doch solle man die Assistenten in der Erprobungsphase des Gesetzes erstmal „loslaufen lassen“. Womöglich könnten positive Erfahrungen ja später doch noch zeigen, dass schon Bachelor unterrichtstauglich sind.

Allerdings kann Böger nicht verbindlich sagen, ob die Schulen den Assistenten in ein paar Jahren auch wirklich anfordern werden: „Aber mit dem Ausbau der Ganztagsschule kann es sehr gut sein, dass sich neue Berufsfelder entwickeln“, sagte Böger. Wenn nicht, können die Studenten einfach bis zum Master weiter studieren und Lehrer werden. Böger riet erneut zum Lehramtstudium. Im Jahre 2010 werde es einen großen Generationswechsel geben: „In jedem Fall wird es sich lohnen, Fremdsprachen, Naturwissenschaften und Mathematik zu studieren.“

Mit dem neuen Entwurf setzt die Koalition den Schlussstein unter eine lange Debatte. Eigentlich sollten die Studenten schon in diesem Herbst in den neuen Studiengängen studieren. Doch sowohl in der SPD als auch zwischen Politik und Unis gingen die Meinungen auseinander. So kann die Reform erst in einem Jahr starten.

Ist der Entwurf gelungen? Heinz-Elmar Tenorth, Vizepräsident der Humboldt-Universität, meint: „Der Teufel steckt im Detail.“ Der Entwurf ist ihm in einigen Punkten zu schwammig formuliert. Wer kann wissen, wie praxisnah das Studium tatsächlich wird? Im Entwurf ist davon die Rede, dass ein Drittel der Leistungspunkte im Studium aus dem berufspraktischen Teil kommen muss. Was das heißt, ist aber unklar. Sind die Praktika in der Schule darin etwa schon enthalten, kann die Masterarbeit dabei angerechnet werden? Dann wäre der berufspraktische Anteil des Studiums nicht besonders groß. Für Tenorth würde zu einer echten Reform außerdem gehören, dass die Kurse an der Uni die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lehrämter ausreichend berücksichtigen. Es sei ein Fehler, Lehrer „als Universalwaffen“ auszubilden. Schließlich müssten sie an der Grundschule andere Aufgaben bewältigen als am Gymnasium. Ob sich die Studienwege aber inhaltlich unterscheiden, lässt die Politik offen. Der linke Parteiflügel der SPD jedenfalls ist strikt dagegen, dass sich die Ausbildung der Studienräte von der anderer Lehrer mehr unterscheidet als bisher, wie Peter Schuster vom Fachausschuss „Stadt des Wissens“ bekräftigt. Pisa habe gezeigt, dass die Lehrer lernen müssten mit heterogenen Gruppen umzugehen.

Schuster kritisiert, dass das Referendariat nur verkürzt werden soll, anstatt es abzuschaffen und durch ein „training on the job“ zu ersetzen. Im Referendariat in der Schule werden die Lehramtsanwärter bislang systematisch in Seminaren von erfahrenen Lehrern unterrichtet. Am Ende steht die zweite Staatsprüfung. Schuster findet, es solle lieber ein Angebot geben, dass sich an den Problemen eines Berufsanfängers orientiert: „Die Schulverwaltung verlangt, dass die Unis das Studium ändern, aber die Verwaltung selbst will sich nicht bewegen“, kritisiert er.

Dieter Lenzen, Präsident der FU, glaubt, dass es die FU aus „kapazitären Gründen“ nicht schaffen wird, in jedem Fach spezielle Module für Lehrer anzubieten. „Die Module werden mehrere Verwendungszwecke haben.“ Die FU wollte die Studenten bis zum Bachelorabschluss nur in den Fachwissenschaften ausbilden. Erst im Masterstudium sollten sie Pädagogik und Didaktik belegen.

Lenzen kritisiert auch, dass alle Bachelor-Absolventen, die Lehrer werden wollen, zum Master zugelassen werden sollen: „Wollen wir wirklich, dass jeder Lehrer werden darf?“ fragt er. Spätestens im Oktober soll das Gesetz verabschiedet werden.

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