Gesundheit : „Keine Gefahr durch genveränderten Mais“

Bernd Müller-Röber verteidigt grüne Gentechnik

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Das Bundesamt für Verbraucherschutz hat jetzt vorgeschrieben, genetisch veränderten Mais der Sorte Mon810, auch bekannt als Bt-Mais, mit einem Monitoringplan zu überwachen. Was bedeutet das?

Für die Wissenschaft hat das zunächst keine direkten Konsequenzen, weil wir im Labor an Modellpflanzen forschen. Da können wir problemlos weiterarbeiten. Beim Anbau hängt es davon ab, wie die Pläne aussehen werden. Es wurden schon viele Untersuchungen im Rahmen eines Biosicherheitsprogramms des Bundesforschungsministeriums gemacht. Es zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen Bt-Mais und der nicht gentechnisch veränderten Ausgangssorte sehr gering sind, geringer als Unterschiede in- folge verschiedener Boden- oder Klimaeigenschaften.

Ist das Monitoring sinnvoll?

Wenn man eine gentechnisch veränderte Pflanze ins Feld bringt, kann ein solches Monitoring sinnvoll sein. Die Beobachtung möglicher ökologischer Auswirkungen ist nicht nur für gentechnisch veränderte Pflanzen wichtig, sondern auch für herkömmlich gezüchtete Pflanzen. Entweder ist man so konsequent und weitet es aus oder man akzeptiert, dass wir bisher im Pflanzenbau weitgehend ohne ökologische Überwachung ausgekommen sind. Beim Bt-Mais gibt es ja schon längst entsprechende Untersuchungen.

Dann ist das Monitoring eigentlich überflüssig?

Ja. Es gibt umfangreiche Daten über die Umweltverträglichkeit von Bt-Mais. Viel wichtiger als das Verfahren der Pflanzenzüchtung ist das Ergebnis. Es kommt nicht auf die Technik der Züchtung, sondern auf die Eigenschaften der Pflanzen an. Auch mit herkömmlicher Züchtung lassen sich Organismen stark verändern.

Wie bewerten Sie die Aussage des Bundesamts, dass nach neueren Studien von Bt-Mais der Sorte Mon810 doch eine Gefahr ausgehen könnte?

Mich würde interessieren, was das für neuere Untersuchungen sein sollen. Ich kenne sie nicht.

Ist die Sorge des Bundesamts gerechtfertigt?

Ich sehe keine Gefahr. Es gibt umfangreiche Veröffentlichungen zu Bt-Mais aus den Jahren 2000 bis 2006. Das reicht aus, um eine Entscheidung über den Anbau einer Pflanze zu treffen.

Wenn es keine sachlichen Gründe für das Monitoring gibt, welche dann?

Es ist ja bekannt, dass Landwirtschaftsminister Seehofer politische Ambitionen in Bayern hat, wo man der Gentechnik kritisch gegenübersteht. Ich vermute, dass die Entscheidung politische Gründe hat.

Wissenschaftler bekräftigen immer wieder den Nutzen der Gentechnik bei der Pflanzenzüchtung. Trotzdem überwiegt in der Bevölkerung die Ablehnung. Warum?

Ich weiß es nicht. Die Gentechnik ist nur ein Verfahren unter mehreren, um Erbanlagen zu verändern. In Zukunft werden in der Pflanzenzüchtung ohnehin verschiedene Techniken eingesetzt werden. Man muss erklären, dass diese Technik das Wissen über Pflanzen stark beflügelt hat und ganz große Auswirkungen auch auf herkömmliche Züchtungsprogramme hat.

Welchen Nutzen gibt es konkret?

Ohne Gentechnik läuft in der Pflanzenforschung nichts mehr. Wir erfahren, mit welchen Genen sich Pflanzen vor Krankheiten und Parasiten schützen. Immer interessanter werden im Zeichen des Klimawandels auch jene genetischen Eigenschaften, die Pflanzen vor Trockenheit schützen oder gegen salzige Böden wappnen. Ein großes Potenzial haben auch Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe. Da zeigt sich, dass Ökologie und Gentechnik sich nicht widersprechen. Deshalb hat mich auch die Aussage des brandenburgischen Landwirtschaftsministers Woidke verwundert und geärgert, der behauptet hat, dass die Zukunft Brandenburgs jenseits der grünen Gentechnik liegt. Wir müssen uns die Option Gentechnik offenhalten und nicht schon wieder dem Ausland das Feld überlassen, wie es so oft geschehen ist.

Wie bewerten Sie die Klagen von Imkern gegen Gentechnikpflanzen, deren Pollen sie nicht im Honig haben wollen?

Wenn sich tatsächlich die Sichtweise durchsetzt, dass ein geringer Anteil von gentechnisch verändertem Pollen im Honig ein Problem darstellt, dann wird das das Ende dieser Technik sein. Das wissen natürlich auch die Personen, die gegen die Gentechnik sind.

Das Gespräch führte Hartmut Wewetzer.

BERND MÜLLER-RÖBER ist Molekularbiologe an der Universität Potsdam und in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für die grüne Gentechnik zuständig.

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