Gesundheit : KHB in Raumnot: Die Kunsthochschule Weißensee will der Enge entfliehen und erwägt Umzug nach Pankow

Heiko Schwarzburger

Die Meldung schlug ein wie eine Bombe: Der Akademische Senat der Kunsthochschule (KHB) in Weißensee trat geschlossen zurück, weil die Raumnot sowohl für Studenten als auch für Dozenten nicht länger erträglich ist. Es fehlen mehr als 3500 Quadratmeter, rund ein Drittel des gesamten Bedarfs. Trotz jahrelanger Versprechen liegen wichtige Neubauten auf Eis. Mit 100.000 Mark hätten rund 1000 Quadratmeter in einem angrenzenden Gebäude am Weißenseer Campus angemietet werden können, als Notpflaster, doch die Senatsverwaltung hob die Hände: Nicht einmal diese Summe war verfügbar. So hat die Hochschule bis heute keinen Hörsaal, mehrere Dozenten teilen sich ein Büro.

"Um die aufwendige Betreuung unserer Studenten wenigstens halbwegs zu gewährleisten, haben sich einige Dozenten schon Büros außerhalb der Hochschule angemietet", klagt Rektor Rainer Ernst. Seine Unterschrift steht unter einer Petition, die 39 Hochschullehrer kürzlich dem Wissenschaftssenator überreichten. Auch unter den rund 700 Studenten rumort es, denn die Studienbedingungen sind sind dramatisch und kaum noch erträglich: Die angehenden Bühnenbildner haben nicht einmal eine eigene Bühne, um ihre Entwürfe zu erproben. In den Zeichensälen ist es so eng, dass man sich kaum drehen kann.

Kein Platz für Druckmaschinen

Ein Atelier für die jungen Bildhauer musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. "Wir können unsere Druckmaschinen nirgends aufstellen", setzt Rainer Ernst die endlose Mängelliste fort. "Unsere Diplomprüfungen in Malerei und Graphik müssen wir auf dem Flur machen, weil man nur dort genügend Platz hat, die Arbeiten auszuhängen. In der Bibliothek stapeln sich Bücherberge."

Jetzt hat die Leitung der Kunsthochschule den Vorschlag unterbreitet, mit Mann und Maus in die Garbaty-Höfe am S-Bahnhof Pankow umzuziehen. Zu Beginn des Jahrhunderts hatte der jüdische Unternehmer Garbaty dort eine Zigarettenfabrik gebaut, ein mondäner Industriebau mit großzügigen Nebengebäuden. Garbaty wurde von den Nazis enteignet und ermordet, die DDR ließ in der Fabrik bis zur Wende Zigaretten drehen. Heute ist das Industriedenkmal entkernt und steht für 49 Millionen Mark zum Kauf.

Tausch würde zwei Millionen sparen

"Der Grundriss dieses Gebäudes eignet sich ideal für unsere Ateliers, wir passen genau da hinein", bestätigte Rektor Rainer Ernst auf Nachfrage. "Der Eigentümer würde uns den Bau saniert übergeben, den Innenausbau erledigen wir selbst." Dafür wären weitere zehn Millionen Mark nötig.

Nach den Planungen, die derzeit in der Wissenschaftsverwaltung zur Prüfung liegen, könnte der Umzug innerhalb von zwei Jahren über die Bühne gehen. In den dann frei werdenden Campus in Weißensee könnte das neue Oberstufenzentrum Bau ziehen, für das bislang ein teurer Neubau geplant ist. In einem Gutachten der Berliner Landesentwicklungsgesellschaft (BLEG) wird dieser Ringtausch ausdrücklich als positiv bewertet. Berlin könnte auf den Neubau des Oberstufenzentrums verzichten und hätte zugleich die Kunsthochschule von ihren jahrelangen Provisorien befreit. Da die Neubauten für die KHB und das Oberstufenzentrum überflüssen würden, könnte die Stadt unter dem Strich sogar zwei Millionen Mark sparen. Um diese Chance zu nutzen, müssten sich Wissenschaftsenator Christoph Stölzl (CDU) und Schulsenator Klaus Böger (SPD) verständigen. Das Oberstufenzentrum untersteht der Schulverwaltung, die Hochschule gehört zur Wissenschaft. Da dort angehende Künstler ausgebildet werden, hat die KHB eine gute Chance, dass der zuständige Senator die Angelegenheit zur Chefsache erklärt und schnell die notwendigen Entscheidungen fällt.

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