Gesundheit : Kinder in Gefahr

Hauptrisiko Unfall

Adelheid Müller-Lissner

„Als ich mit Mumps im Bett lag“ – so beginnen typische Erzählungen Erwachsener über ihre Kindheit. Die Kinder von heute sind anders krank. Gegen Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Windpocken gibt es Impfungen – gegen Übergewicht und Allergien nicht. Diese beiden Probleme haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, in fast einem Viertel der Familien lebt ein chronisch krankes Kind. Das zeigt ein jetzt erschienener Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Erstmals liegt damit für die Bundesrepublik ein umfassender Überblick über das vor, was zum Thema „Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ aus den unterschiedlichen Quellen bekannt ist. Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts und der PMV-Forschungsgruppe der Uni Köln haben die Daten zusammengestellt.

Die größte Gefahr für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stellen heute in Deutschland wie in allen Industrienationen Unfälle dar. „Heute sterben in Deutschland nach dem ersten Lebensjahr mehr Kinder an den Folgen von Unfällen als an natürlichen Todesursachen.“ Ein Drittel von ihnen ereignet sich zu Hause, mehr als die Hälfte in der Schule und zwölf Prozent im Straßenverkehr. Jungen sind nach dem ersten Lebensjahr häufiger betroffen als Mädchen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Kinderunfälle im Straßenverkehr haben in den letzten 20 Jahren stetig abgenommen. Das größte Risiko gehen die Kinder übrigens nicht als Fußgänger oder Radfahrer ein, sondern als Insassen eines Autos – meist des Autos der Eltern. Den höchsten Prozentsatz im Straßenverkehr verunglückter Kinder hat das Land Brandenburg aufzuweisen. Ertrinken ist die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache. Die Experten schätzen, dass 60 Prozent aller Unfälle von Kindern durch Vorsichtsmaßnahmen vermeidbar wären.

Beim gefürchteten plötzlichen Kindstod hat die Empfehlung, Säuglinge nicht in Bauchlage schlafen zu lassen, Erfolge gebracht. Auch die Bemühungen um die Zähne der Kinder hatten offensichtlich Biss. Seit 1973 hat sich der Kariesbefall bei Kindern und Jugendlichen halbiert.

Wo ältere Kinder und Jugendliche selbst Adressaten der Prävention sind, steht es um deren Chancen schlechter. Das Wissen über schädliche Wirkungen hilft nicht, wo kurzfristiger Nutzen wie Entspannung und soziale Anerkennung winkt. 38 Prozent der 12- bis 25-Jährigen rauchen. Die Hälfte der 15-Jährigen gab an, im letzten Jahr mindestens einen Alkoholrausch gehabt zu haben.

Insgesamt ist nicht nur bei der Körperlänge, sondern auch beim Gewicht der heranwachsenden Generation die Tendenz steigend. Ein Zehntel bis ein Fünftel der deutschen Schüler gelten als zu dick, mit den bekannten langfristigen Folgen für Stoffwechsel, Kreislauf und Gelenke. Auf der anderen Seite gaben in einer Untersuchung zwölf Prozent der 11- bis 15-jährigen Jungen und 17 Prozent der gleichaltrigen Mädchen an, gerade eine Diät zu machen, obwohl einige von ihnen schon zu wenig wogen.

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