Gesundheit : Kinderküsse

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In den Semesterferien zieht es die Angehörigen der Hochschulen in die ganze Welt. Einige haben uns in den letzten Wochen geschrieben. Wir bekamen Post aus der Türkei, aus Vietnam, Norwegen, Afghanistan, den USA, von Rügen und aus Sibirien. Dies ist die letzte Campus-Postkarte, denn nun fängt das Semester wieder an.

Liebe Kommilitonen,

jedesmal, wenn Semesterferien sind, fahre ich zu „meinen“ Kindern in den Kaukasus. Es bringt mich fast um vor Rührung, wenn die Kleinen auf mich zu gerannt kommen, weil jeder der Erste sein will, um seine Freude über meinen Besuch in wilden Umarmungen und Küssen zu zeigen. 80 Kinder leben zur Zeit im Waisenhaus „Rodnaja Semja“ in Inguschetien, das von Cap Anamur gebaut wurde. Fast alle sind Tschetschenen. Sie haben ihre Eltern auf dramatische Weise verloren. Viele von ihnen wurden selbst schwer verwundet ins Waisenhaus gebracht. Ich versuche, ein wenig Alltag in ihre verpfuschte Kindheit zu bringen. Deshalb habe ich neben dem Lebensnotwendigen, wie Kleidung und Medikamenten, auch Spielzeug und Schulsachen dabei.

Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich mich von allen verabschieden muss. Ich bin bisher immer zurückgekehrt, wie versprochen. Aber leider wissen diese Kinder nur zu gut, dass ein Versprechen im Krieg keinen Wert hat.

Viele Grüße von Sandra Schumann,

Studentin der Politikwissenschaft an der FU und Mitglied des Berliner Vereins „Kinder für Kinder e.V.“

Foto: dpa

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