Gesundheit : Kinderunfälle:Ärzte fordern Prävention Neue Methoden lassen Brüche besser heilen

Adelheid Müller-Lissner

Wenn ein Kind zum Arzt muss, ist meist eine Verletzung schuld. Das zeigt, dass Heranwachsende allen Hiobsbotschaften zum Trotz vergleichsweise gesund sind. Allerdings erleiden Kinder bei Unfällen häufiger Kopfverletzungen als Erwachsene – und bei ihnen gehen Verletzungen gleicher Schwere öfter tödlich aus.

Beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, der noch bis Freitag im Berliner ICC stattfindet, plädierten die Mediziner für konsequentes Tragen von Helmen beim Radfahren und Inline-Skaten, um die Rate schwerer Schädel-Hirn-Verletzungen weiter zu senken. Ingo Marzi, Direktor der Unfallklinik an der Uni Frankfurt am Main, wies darauf hin, dass die Helmpflicht für Radfahrer in Australien und einigen Gegenden der USA zu einer drastische Reduktion von Kopfverletzungen bei Kindern und Erwachsenen geführt habe.

Bei der Behandlung von Knochenbrüchen bei Kindern konnten die Unfallchirurgen über eine kleine Revolution berichten: Inzwischen können mit der Methode der „elastisch-stabilen Marknagelung“ über kleine Schnitte Federnägel im Markraum der Röhrenknochen verspannt werden. Dadurch wird der Bruch von innen geschient, ohne die Wachstumsfuge zu schädigen. „Ein Paradigmenwechsel, der mit dazu beiträgt, dass heute 95 Prozent der Kinder weniger als zwei Tage im Krankenhaus bleiben müssen“, sagte der Freiburger Kindertraumatologe Wolfgang Schickewei. In der Vergangenheit mussten Kleinkinder mit Oberschenkelbruch oft mehrere Wochen im Krankenhausbett liegen, das Bein mit einem Streckverband fixiert. Und bei älteren Kindern stellte man den Bruch früher lediglich ruhig und legte einen Gipsverband an, um die empfindliche Wachstumsfuge der Knochen nicht zu schädigen.

Inzwischen werden auch Kreuzbandverletzungen bei Heranwachsenden immer häufiger operiert, was früher ebenfalls aus Angst vor einer Verletzung der Wachstumsfugen nicht geschah. „Studien belegen jedoch, dass Kinder nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes im Alltag oft nicht zurechtkommen und durch ständiges Hinfallen auffallen“, sagte Michael Stürmer von der Uni Göttingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Heute ist es deshalb üblich, auch Kindern ein neues Kreuzband aus körpereigenen Sehnen einzusetzen. Mit der Operation allein sei es aber nicht getan, mahnte Rüdiger Krauspe, Direktor der Orthopädischen Klinik der Uni Düsseldorf. Denn die jungen Sportler verletzen sich danach häufig wieder oder geben den Sport auf. „Unsere Aufgabe ist es deshalb auch, mit den Jugendlichen über die sportartspezifischen Verletzungen zu sprechen und sie beim behutsamen Wiedereinstieg zu begleiten.“

Die Mediziner setzen auf Vorbeugung: Der Berufsverband der Orthopäden möchte weitere Vorsorgeuntersuchungen in der gesetzlichen Krankenversorgung verankern. Mit den Unfallchirurgen ist man sich einig, dass Kraft, Ausdauer und Koordinationsfähigkeit bei Kindern wichtig sind, um Unfälle zu vermeiden.

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