Gesundheit : Klaus Landfried soll sich auch künftig offensiv einmischen

Thomas Gehringer

"Wir haben eine faire Diskussion gehabt - und eine eindeutige Wahl." Klaus Landfried, der alte und neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), musste am Montag Abend im Bonner Wissenschaftszentrum viele Hände schütteln. Doch auch sein Gegenkandidat, der Kölner Rektor Jens-Peter Meincke, brauchte sich nicht zu verstecken: "Die Stimmung war so, dass mit einer deutlichen Mehrheit für Landfried gerechnet wurde. Mit 46 Stimmen haben wir aus unserer Sicht ein gutes Ergebnis erzielt." Die neue Amtszeit Landfrieds beginnt am 1. August 2000 und dauert drei Jahre.

Landfried, den 67 Rektoren und Präsidenten unterstützten, zeigte sich für die Argumente des Meincke-Lagers aufgeschlossen: "Ich habe gelernt, dass es die Notwendigkeit gibt, intern noch mehr zu überzeugen." Er wolle nun noch häufiger als bisher das Gespräch vor Ort an den Hochschulen selbst suchen. Für Äußerungen etwa über "dienstlich unauffällig alternde Professoren" hatte Landfried mächtigen Ärger mit der eigenen Klientel bekommen.

Das Plenum nahm sich reichlich Zeit für die Entscheidung. Die Diskussion wollte nicht enden, und die Runde der fast ausschließlich männlichen Hochschul-Honoratioren bewies dabei standesgemäßes Selbstbewusstsein: Zuerst bat man den nicht stimmberechtigten Teil der Fachhochschul-Rektoren aus dem Saal, was manchen enttäuschte, der wenigstens die Diskussion vor der Wahl mitverfolgen wollte. Vor den verschlossenen Türen ließ man zudem einige Gäste warten, darunter den Bremer Wissenschaftssenator Willi Lemke, der als Vorsitzender der Kultusministerkonferenz (KMK) eingeladen worden war. Als das Ergebnis des ersten und entscheidenden Wahlgangs bekannt gegeben wurde und Lemke mit gut halbstündiger Verspätung das Plenum betreten durfte, war das einzige Fernsehteam bereits wieder entnervt abgezogen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen vor allem Fragen des Selbstverständnisses der Hochschulrektorenkonferenz, in der die 240 deutschen Hochschulen vertreten sind. Jens-Peter Meincke hatte "mehr Abstand zur Politik" und "mehr Nachdenklichkeit, nicht so vorschnelle Festlegungen" gefordert. "Ein Teil der Rektoren, dazu gehöre ich eben auch, wünscht, dass man mehr auf die Basis schaut, was in den Hochschulen selbst geschieht", bestätigte der Ulmer Rektor Hans Wolff. Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, sagte, Meincke habe "weniger über Inhalte und mehr über Stil geredet". Der "sehr sympathische Kontrahent" Landfrieds verkörpere eine wichtige Strömung innerhalb der HRK. Gesine Schwan hatte "nicht den Eindruck, dass es feste Lager gibt". Selbst bei Themen wie der künftigen Besoldung nach der Dienstrechtsreform sieht sie "keinen substanziellen Unterschied". Alles also nur eine Frage des Stils? Ganz so ist es nicht. An der zentralen Frage des Selbstverständnisses scheiden sich offenbar die Geister, und das steht durchaus im Zusammenhang mit der Hochschulreform. "Ich bin ganz entschieden der Meinung, dass der HRK-Präsident ein politischer Präsident sein muss. Und Klaus Landfried ist ein pointiert politischer Präsident", sprach sich Gesine Schwan für den alten und neuen Amtsinhaber aus.

Noch deutlicher wurde Gerhard Ackermann, Präsident der Technischen Fachhochschule Berlin: "Meine Besorgnis war es, dass sich die Hochschulen mit Meincke wieder mehr in den Elfenbeinturm zurückziehen würden." Landfried stehe dagegen für Öffnung und Kooperation. Gerhard Ackermann sieht durchaus einen Richtungsstreit unter der Rektorenschaft. Das Hochschulsystem stehe "vor einem Wandel, bei dem die Universitäten nicht an den Fachhochschulen vorbei gehen können".

Konfliktstoff war reichlich vorhanden

Die Meincke-Kandidatur wertete der TFH-Präsident auch als den Wunsch einiger Universitäten: "Lasst uns zurückrudern." Klaus Landfried durfte sich da der Stimmen der Fachhochschul-Vertreter ziemlich sicher sein; denn "wir haben von ihm in wichtigen Fragen Unterstützung bekommen", meinte Ackermann. Der HRK-Präsident habe sich dafür eingesetzt, dass Fachhochschulen gestufte Abschlüsse auch ohne den Zusatz FH vergeben und im Ausland mit dem internationalen Titel "University of Applied Sciences" auftreten könnten.

Konfliktstoff war also reichlich vorhanden, doch nach der Wahl waren alle irgendwie zufrieden. Die einen, weil sich mit Klaus Landfried ihr Kandidat durchsetzte, die anderen "aufgrund der sehr ernsthaften und guten Diskussion" und weil Jens-Peter Meincke ein "sehr ehrenwertes Ergebnis" erzielt habe, so Hans Wolff. Das letzte Wort gehörte am Abend jedoch Josef Lange, der bis vor kurzem noch Generalsekretär der HRK war und kürzlich als Staatssekretär nach Berlin wechselte. Lange forderte in seiner Abschiedsrede: "Wenn die Hochschulen nicht selbst mit ihrem Rat zur Stelle sind, werden es andere tun - und ich fürchte nicht zum Wohl der Studenten und der Hochschulen." Dicht neben ihm stand Klaus Landfried und hörte es, das darf man mit einiger Sicherheit annehmen, mit Wohlgefallen.

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